Griff zum Welttheater

Erfurt, Ching: Das Waisenkind

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Gegen Jeffrey Chings Musiktheater ist Puccinis «Turandot» ein Waisenkind. Die Grausamkeiten der chinesischen Prinzessin stehen zwar bis auf eine kurze Szene zu Beginn in der unsichtbaren Vorgeschichte. Hier aber werden ganze Familien und Dynastien auf der Bühne hingemordet, sogar Neugeborene bleiben nicht verschont, nur weil ein machtgieriger Hofbeamter zur Herrschaft strebt. Dag-Ngans-Kagh ist sein Name, und seine Taten entstammen nicht dem Märchen, sondern der chinesischen Geschichte, fünf Jahrhunderte vor unserer christlichen Zeitrechnung.

Da wurde an einer Familie Zhao ein Massaker verübt, ein kleines Kind jedoch gerettet, das dann, erwachsen geworden, die Verbrechen rächt und einen neuen Staat gründet.
Der chinesische Komponist, Sinologe und Philosoph Jeffrey Ching (Jahrgang 1965), der heute in Berlin lebt, wollte mit seiner Oper «Das Waisenkind» natürlich keinen Schocker fabrizieren, vielmehr so etwas wie ein historisches Schicksalsrad entwerfen, ähnlich unserem mittelalterlichen «Rad-Bild» mit den Stationen eines Königs: Regno, regnavi, sum sine regno, regnabo. Für das Textbuch, das er selbst schrieb, konnte er sich auf etliche dramatische Bearbeitungen des Stoffes (sowohl ...

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Opernwelt Januar 2010
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Gerhard Rohde

Vergriffen
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