Editorial
Wir hatten schon so etwas geahnt. Der Buschfunk aus der Herbert-von-Karajan-Straße, die wilden Spekulationen in den Medien, die Hysterie vor dem Tag aller Tage ließen keinen Zweifel: Die Wahl des neuen Chefs bei den Berliner Philharmonikern wird eine Hängepartie mit offenem Ausgang. Thielemann oder Nelsons? Vielleicht doch Chailly? Trotz allem eine Anfrage bei Jansons oder Barenboim? Oder gar ein Kompromisskandidat, den niemand auf dem Schirm hatte? Als sich die 123 stimmberechtigten Mitglieder der selbstbewussten Orchesterrepublik am frühen Morgen des 11.
Mai zum Konklave an einen «geheimen» Ort zurückzogen (den freilich sogleich die ganze Stadt kannte), wussten alle, die sich auch nur ein bisschen damit beschäftigt hatten: Unter den höchst eigenwilligen Musikern kursieren höchst unterschiedliche Vorstellungen, wer nach dem Abschied von Simon Rattle 2018 das Hochamt übernehmen soll. Dass binnen weniger Stunden weißer Rauch über der Dahlemer Jesus-Christus-Kirche aufsteigen würde, die man seit Karajans Zeiten als Aufnahmestudio nutzt und die nun von Journalisten aus aller Welt belagert wurde, glaubte kaum jemand.
Und es kam, wie es kommen musste: keine Einigung, Entscheidung ...
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Opernwelt Juni 2015
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Wiebke Roloff & Albrecht Thiemann
Fernöstliche Esoterik als Antwort auf den westlichen Zivilisationsschock: Auch auf der Opernbühne scheint dieses Rezept zu funktionieren, das zeigt etwa der Erfolg von Toshio Hosokawas Musiktheater «Matsukaze» (Wind in den Kiefern). Nach der Brüsseler Uraufführungsproduktion (OW 6/2011), die auch in Berlin, Warschau und Luxemburg gezeigt wurde, folgte eine...
Wer Korngolds «Die tote Stadt» in Görlitz inszeniert, kann sich das Bühnenbild fast sparen. Zwar ist die Innenstadt inzwischen weitgehend saniert, doch die verlassenen Gassen und Plätze der vom Krieg unversehrten Stadt verströmen noch immer eine aus der Zeit gefallene Atmosphäre, die unmittelbar an das vergessene Vorkriegs-Brügge erinnert, das Korngolds Oper...
In Dario Argentos Horror-Thriller «Opera» (Terror in der Oper, 1988) ist eine Aufführung von Verdis «Macbeth» Ausgangspunkt einer so blutrünstigen Handlung, dass der Film in Deutschland nur in einer gekürzten Fassung gezeigt werden durfte. Ein Vierteljahrhundert später, zum Verdi-Jubiläum, bekam der Altmeister des Genres im piemontesischen Novara Gelegenheit, mit...
