Podiumsdiskussion: OPERNWELT-DIALOGE
Wer die Spielpläne deutschsprachiger Opernhäuser studiert, kommt um eine Erkenntnis nicht herum: Der Kanon der aufgeführten Werke ist relativ eng bemessen. «Die Zauberflöte», «Aida», «La traviata», «La Bohème», es sind die ewigen (Kassen-)Schlager, die angesetzt werden, meist mit Aussicht auf einigermaßen gefüllte Säle. Business as usual. Mit erwartbaren ästhetischen Resultaten. Landauf, landab mehren sich deshalb die Stimmen, die eine Renovierung dieses Kanons anmahnen und mehr Mut in der Programmpolitik einfordern.
Doch wie kann konkret ein spannender Spielplan aussehen? Ist es eine Option, den Fokus auf das zeitgenössische Musiktheater zu legen und damit dem Vorwurf, Oper sei museal und altmodisch, entgegenzuwirken? Müssen die Ränder auch genretechnisch geweitet werden? Und: Ist das Publikum überhaupt bereit für Neuerungen?
Über diese Fragen diskutieren im Rahmen der nach dem erfolgreichen Start im vergangenen Dezember in Frankfurt nun zum zweiten Mal stattfindenden «OPERNWELT-DIALOGE». Auf dem Podium im Deutschen Nationaltheater Weimar: die Regisseurin Lydia Steier, der Komponist Moritz Eggert, der Präsident der Klassik Stiftung Weimar, Hellmut Seemann und Hans-Georg Wegner, Operndirektor am DNT. Die Moderation übernimmt «Opernwelt»-Redakteur Jürgen Otten.
Am Samstag, den 27. April 2019 um 15.00 Uhr im Foyer des Deutschen Nationatheaters Weimar
Eintritt frei
www.nationaltheater-weimar.de
Lesen Sie auch: Wie steht es um die Oper in einer Gesellschaft, die sich grundlegend wandelt? Darüber wurde zum Auftakt der «OPERNWELT-DIALOGE» an der Oper Frankfurt diskutiert. Auf dem Podium: Brigitte Fassbaender, Joana Mallwitz, Barrie Kosky und Bernd Loebe. Hier geht's zur Zusammenfassung des Gesprächs aus Opernwelt 2/19: www.der-theaterverlag.de/opernwelt/archiv/artikel/opernwelt-dialoge-mitten-ins-herz/
Opernwelt April 2019
Rubrik: OPERNWELT-DIALOGE, Seite 99
von
Eine klaustrophobische Atmosphäre liegt über dem engen Hinterhof mit seinen verwaschenen Mauern und verwitterten Fensterläden. Regisseur Urs Häberli verlegt die Handlung von Janáčeks «Jenůfa» in ein beengtes Kleinstadtmilieu. Die Bewohner leben Tür an Tür; nichts von dem, was auf dem Hof vor sich geht, bleibt verborgen, stets ist ein Beobachter präsent, schier übermächtig die soziale...
Die Verwirrung der Gefühle hat der regieführende Intendant Stefano Mazzonis di Pralafera zu überwiegend zentralperspektivischen Symmetrien geordnet. Das sieht, in Jean-Guy Lecats quaderhaften Bildern, von Franco Marri differenziert ausgeleuchtet, nicht einmal übel aus, verleitet seine Figuren aber zu entsprechend gestischen Stereotypen. Arme ausbreiten, rechts, links. Die ziemlich...
Der Blaubart-Stoff fasziniert seit der Erzählung Charles Perraults von 1697; in Oper, Film und Literatur hat er vielerlei Gestalten angenommen. Nicht immer ist das Schicksal der zahlenmäßig variierenden Frauen so aussichtslos wie das Judiths in «Herzog Blaubarts Burg» von Béla Bartók. Beherzte Mädchen, die sich retten konnten, gab es bisher mehrfach; die lustvolle Selbstbestimmung der...
