Estnische Tragödie
Das Buch ist ein Welterfolg. Gerade 31 Jahre alt, veröffentlichte die finnische Autorin Sofi Oksanen 2008 ihren Roman «Puhdistus», zu Deutsch «Fegefeuer». Mittlerweile ist er in 43 Sprachen übersetzt. In ihrem Heimatland hat er alle wichtigen Literaturpreise gewonnen, in den skandinavischen Ländern und Frankreich wurde er mehrfach ausgezeichnet, auch in Deutschland zeigte sich die Kritik begeistert. Schon hat die Arbeit an einer Verfilmung des Stoffs begonnen.
Der Zeitrahmen dieses atemlos spannenden Bestsellers sind die Jahrzehnte zwischen 1939 und 1992 – eine dramatische Phase in der Geschichte Estlands. Im Mittelpunkt steht die Witwe Aliide, die nach Ende der kommunistischen Herrschaft durch ihre überraschend auftauchende Enkelin Zara mit der eigenen Vergangenheit und verdrängten Schuld konfrontiert wird. In kurzen Kapiteln mit Rück- und Vorblenden entfaltet Oksanen ein Drama aus Eifersucht, Gewalt, Mord und Verrat, die in Aliides Selbstverbrennung kulminiert.
Die finnische Nationaloper hatte den jungen estnischen Komponisten Jüri Reinvere beauftragt, eine Oper aus dem Roman zu destillieren, die nun in Helsinki uraufgeführt wurde. Die Erfahrung zeigt, dass die Übertragung eines ...
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Opernwelt Juni 2012
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Andreas Bücker
Man könnte glauben, der «Parsifal» sei ein Öperchen, dass sich sogar in Krisenzeiten mal eben stemmen und auf CD verewigen ließe. Kurios, dass ausgerechnet Wagners himmlisch langes Bühnenweihfestspiel nun in einer dritten Neueinspielung binnen anderthalb Jahren vorliegt. Nach Valery Gergiev mit dem Mariinsky Orchestra (siehe OW 12/2010) und Jaap van Zweden mit dem...
Herr Koch, wer ist schuld an der Misere der fünfzehn «Ring»-Stunden? Alberich? Oder doch die Rheintöchter, weil sie ihn verlockt haben?
Das ist die große Frage. Beide Seiten wahrscheinlich. Ich sehe Alberich nicht als Alleintäter. Er ist mir auch nicht unsympathisch. Gerade in der Konfrontation mit Wotan verstehe ich manche seiner Handlungen und Reaktionen. Aber...
Man hält sie für eine Lügnerin, eine Hochstaplerin, ein hysterisches Weib – und sie ist schließlich so unglücklich! Ich wollte, alle hätten sie gern.» Mit diesen Worten hat Leos Janácek für seine Heldin, die alterslose Emilia Marty alias Elina Makropulos geworben. Die 337-jährige Sängerin durchmisst an ihrem letzten Lebenstag die ganze Spannweite eines Frauenlebens...
