Krick-Krack!
Anhänger des Steampunk sind Romantiker. Sie verehren die Technikvisionen des 19. Jahrhunderts, kleiden sich verspielt viktorianisch und lieben die Seelenabgründe düsterer Schauergeschichten. Die Band Coppelius hat nicht nur ihren Namen von E. T. A. Hoffmann entliehen, die Musiker spielen Klarinetten, Cello, Kontrabass – und natürlich Schlagzeug, der knallharte Beat darf nicht fehlen.
Der Intendant des Gelsenkirchener Musiktheaters im Revier, Michael Schulze, ließ Coppelius und die Neue Philharmonie Westfalen gemeinsam eine Steampunk-Oper entwickeln – arrangiert und komponiert von den Bandmitgliedern Comte Caspar und Max Coppella sowie MiR-Kapellmeister Thomas Rimes.
Die Vorstellungen sind ausverkauft. Opernabonnenten sitzen neben Steampunkern, die aus ganz Deutschland anreisen. Auf der Bühne drehen sich riesige Räder, Kessel dampfen, es gibt eine Verfolgungsjagd auf nostalgischen Fahrrädern. Die von Britta Tönne entworfene Theatermaschine funktioniert aber nur, weil E. T. A. Hoffmann selbst sein blutiges Herz an sie verfüttert. Der kleinwüchsige Rüdiger Frank spielt den Dichter und gleichzeitig sein Geschöpf «Klein Zaches». In Offenbachs Oper «Hoffmanns Erzählungen» kommt der Zwerg ...
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Opernwelt Januar 2016
Rubrik: Magazin, Seite 76
von Stefan Keim
Als Richard Strauss’ Vertonung von Oscar Wildes Drama «Salome» 1905 uraufgeführt wurde, waren die Zeitgenossen schockiert. Marie Wittich, die erste Interpretin der Titelrolle, hat es zunächst abgelehnt, die Partie zu übernehmen, weil sie eine «anständige Frau» sei. Noch nie war Sexualität, waren die Männerfantasien des Weiblichen so unverhüllt auf der Opernbühne...
Was eine Hypothese ist, hat wohl selten einer so schlüssig definiert wie Heinz Meier als Hoppenstedt in einem Sketch Loriots. «Hier wäre die Mitte gewesen ... wäre!», giftet er, nachdem ihm sein Duz-Feind Pröhl zwei Drittel des Kosakenzipfels weggegessen hat. Das hypothetische «Was wäre, wenn» ist ja auch das Um und Auf der Kunst – ja, es scheint, pauschal...
Es gibt sie ja, die Regisseure, die statt des ihnen aufgetragenen einen Werks gleich zwei oder drei auf einmal inszenieren. Patrice Chéreau war so einer, der Bedeutungsebenen übereinanderschichtete. Der aktuell bemerkenswerteste Fall ist Stefan Herheim. Und Norweger wie er ist auch der vom Schauspiel kommende Ole Anders Tandberg – der jetzt bei seinem Debüt am...
