Die Willensstarke

Barbara Hannigan scheut vor nichts zurück. Als Agnès in George Benjamins «Written on Skin» (Uraufführung des Jahres) bestätigt die kanadische Sopranistin erneut ihren herausragenden Einsatz für zeitgenössische Musik; Komponisten wie Salvatore Sciarrino, Magnus Lindberg, Unsuk Chin und Gerald Barry schreiben ihr Partien auf den Leib. In Brüssel tanzt sie als Bergs Lulu Spitze, und bei den Berliner Philharmonikern tritt sie als Dirigentin und Sopranistin in Personalunion auf – Gesang und Bewegung empfindet sie ohnehin als Einheit. Porträt einer Vollblutkünstlerin

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Sie weiß genau, was sie will, jettet von einem prestigeträchtigen Opernhaus zum nächsten, und ihre silbrigen Spitzentöne sprudeln wie ein quicklebendiger Quell: Auf den ersten Blick scheint die kanadische Sopranistin Barbara Hannigan die gängigen Eigenschaften einer veritablen «Diva» zu besitzen. Ihr deshalb Allüren zu unterstellen, wäre indes unfair. Eine Diva würde ihre Stimme kaum so regelmäßig durch die Schlingen und Engpässe des zeitgenössischen Repertoires fädeln.

Sie würde sich wohl auch nicht gemeinsam mit einer Truppe moderner Tänzer im Luftraum über der Bühne aufhängen lassen oder – für ein Rollendebüt als Lulu – ihre Füße in Ballettschuhe zwängen. Und ganz sicher würde eine Diva nicht mal eben die Berliner Philharmoniker dirigieren.

Barbara Hannigan hat gerade die vierzig überschritten und entpuppt sich immer mehr als Pionierin des zeitgenössischen Musiktheaters. Über achtzig Premieren kann sie inzwischen auf der ­Habenseite verbuchen, und Komponisten von ­György Ligeti bis Michel van der Aa haben auf das Engste mit ihr zusammengearbeitet. Zu ihren jüngsten Engagements zählen die weibliche Hauptrolle in George Benjamins Oper «Written on Skin», die im zurückliegenden ...

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Opernwelt Jahrbuch 2013
Rubrik: Sängerin des Jahres, Seite 20
von Rebecca Schmid

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