Diva im (Un)Ruhezustand
Verblüffend ist es schon, dass in Deutschland, wo die Musiktheater an Stars vergleichsweise wenig Interesse zeigen, ein altersloses Sängerinnenwunder wie Edita Gruberova eine künstlerische Heimat gefunden hat: Das Nationaltheater München zählt zweifellos zu ihren Stammhäusern – neben Wien und dem Teatre del Liceu in Barcelona. Ihr vierzigjähriges Bühnenjubiläum wollte man aber an der Isar nicht sonderlich feiern, da würde man Präzedenzfälle schaffen, lautete die muffelige Erklärung. So feierte die Gruberova halt in Barcelona. Eine Party für zweihundert Gäste, selbstbezahlt.
Nachdem sie vorher sich und das Publikum – schließlich stand hier auch ein dreißigjähriges Auftrittsjubiläum in Katalonien an – mit einer neuen, wohl letzten Rolle beschenkt hatte: mit Gaetano Donizettis Giftmischerin Lucrezia Borgia. Zuerst konzertant, wie sie es als vorsichtig ihre Grenzen absteckende und ihr Repertoire vorbildlich erweiternde Sängerin gewohnt ist. Nächstes Jahr wird es freilich auch eine szenische Variante geben, in München immerhin, wieder in der Regie von Christof Loy, der dort ihre alternde Elisabeth I. in «Roberto Devereux» nicht nur zu einem Triumph der Koloraturvirtuosin, sondern ...
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Schade, dass Stephan Suschke sich erst im zweiten Teil des Abends darauf besann, dass Opernregie mehr bieten sollte als ausgefeilte Dialoge und ein paar bühnenwirksame Auftritte. Heinrich Marschners romantische Oper «Der Vampyr» hatte auf den Tag genau 180 Jahre nach der Leipziger Uraufführung in Würzburg Premiere – in jener Stadt also, wo der junge Richard Wagner...
Normalerweise ist es umgekehrt. Sobald Komponisten sich ein Stück Literatur vornehmen, wird es durch die Musik verallgemeinert, im Tonfall gemildert, oft humanisiert. Was vom Schriftsteller als kühle Diagnose notiert ist, erscheint auf der Musikbühne als Anliegen von primär emotionaler Sprengkraft. So geschehen bei Bergs «Wozzeck», Strauss’ «Salome», Janáceks «Die...
Wenn es um Bühnenwerke von Jake Heggie geht, ist es müßig, à la «Capriccio» über die Frage nach dem rechten Verhältnis von Musik und Sprache («prima la musica, poi le parole») zu debattieren. Seit der in San Francisco lebende Komponist Noten setzt, hat er vor allem Texte vertont – zunächst schrieb er Songs, dann Opern («Dead Man Walking») und «musical scenes». Die...
