Trance und Tod
Wenn man sich durch die jüngere Geschichte von Perm blättert, kommt einem ein Operntitel von Nikolaj Rimsky-Korsakow in den Sinn: «Die Legende von der unsichtbaren Stadt Kitesch».
Denn lange war Europas letzte Millionenstadt vor dem Ural für Ausländer und sowjetische Normalbürger unsichtbar: ihre Position auf den Landkarten gefälscht, die Stadt selbst nur für Einwohner und Mitarbeiter der Rüstungsbetriebe zugänglich, die Gegend von Perm übersät mit Straflagern (im museal erhaltenen Lager «Perm-36» kann man noch die liederlichen Bedingungen für die Häftlinge durch die Jahrzehnte studieren).
In den letzten Jahren jedoch ist dieses «ferne Land», wie die Übersetzung des finnischen Namens «Perm» lautet, der europäischen Kulturszene etwas näher gerückt. Dafür sorgte vor einigen Jahren der Gouverneur Oleg Tschirkunow, der die problematische Vergangenheit der Stadt offensiv anging und daran erinnerte, dass viele politische Häftlinge und Intellektuelle nach ihrer Entlassung aus dem Gulag in Perm blieben und hier ein relativ liberales Geistesklima schufen. Und weil die Perestroika der von lieblosen Autoschneisen und sozialistischen Repräsentationsbauten dominierten Stadt zwar mehr ...
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Opernwelt August 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Michael Struck-Schloen
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