Nicolai: Die lustigen Weiber von Windsor
Zur Ouvertüre wähnt man sich im falschen Stück: Ist das nicht der «Sommernachtstraum», der da auf einer dem Shakespeare’schen Globe-Theatre nachempfundenen Bühne (Caroline Neven Du Mont) gespielt wird – unter lebhafter Beteiligung des Volkes auf den Rängen? Doch auf einmal kommt es zur Revolte. Die Schauspieler – allesamt männlich, auch in den Frauenrollen, wie im Elisabethanischen Theater üblich – werden von der Bühne gefegt und ein Transparent entrollt: «Heute – Die Lustigen Weiber – mit echten Weibern». Was für ein schöner, ironischer Auftakt.
Den ganzen ersten Akt hält Julia Riegel dieses Spiel auf zwei Ebenen durch, indem sie die etwas geschwätzigen originalen Dialoge radikal einkürzte, aber um Shakespeare-Zitate und -Querverweise bereicherte. Dann verschwinden allmählich immer mehr Teile des Theaters auf dem Theater, bis am Ende nur noch ein Rundhorizont mit einer angedeuteten Aue übrig bleibt. Pralle Komik und Poesie, Travestie und tief empfundenes Gefühl haben nebeneinander Platz, wie auch Otto Nicolais Partitur virtuos auf einer Klaviatur der verschiedensten Stile und Tonfälle spielt.
Adrian Müller ist ein denkbar guter Anwalt für diese oft unterschätzte Partitur. Denn er ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Max von Schillings’ Ehe- und Eifersuchts-Thriller «Mona Lisa» gehörte zu jenen Stücken, die Christian Thielemann an der Deutschen Oper machen wollte – und das (so seine Auskunft) aus Furcht vor leerem Haus dann doch nicht kam. Die mehr als zweitausend Vorstellungen der Oper seit 1915 lassen sich heute vor allem unter der Annahme nachvollziehen, dass Spitzensänger...
Für Kent Nagano, den Japaner aus Kalifornien, bedeutet die Hochschätzung der kulturellen Tradition Münchens, des Musik- und Opernerbes, kein wohlfeiles Kompliment an den neuen Wirkungsort, sondern eine künstlerische Notwendigkeit, zu der er sich jüngst euphorisch bekannte. Und dennoch hat Nagano für seine Einstandspremiere an der Bayerischen Staatsoper, was die...
«Se prohibe fumar» stand im Juni 2005 rot und streng auf grauer Wand bei Andrea Breth draußen in der Helmut-List-Halle, anlässlich von Nikolaus Harnoncourts Styriarte. Und der Abend verlief auch so. Rauchen verboten, Liebe dito, Fantasie, Freiheit, alles. Bloß die Utopie blieb den Figuren damals im Bunkerraum, der den Geruch nach abgestandenem Schweiß zum Bild...
