Sinn für lakonische Komik
Boris Blacher (1903-1975) sorgte mit seiner «Abstrakten Oper Nr. 1» für den größten Opernskandal im Nachkriegsdeutschland (Mannheim 1953). Es war eine Diskussion, die um weit mehr kreiste als nur eine mehr oder weniger gelungene Novität des musikalischen Theaters. Es ging um das Verhältnis von Abstraktem und Gegenständlichkeit in der Kunst, ja um deren Selbstverständnis überhaupt. Was damals erbittert bekämpft wurde, gilt heute als Pionierarbeit: Von der «Abstrakten Oper Nr. 1» führen direkte Wege zu Ligeti, zu Kagel und zur Sprachkomposition.
Später hat Boris Blacher mit «Zwischenfälle bei einer Notlandung» einen der ersten Versuche gestartet, elektronische Klangmittel in eine Opernaufführung einzubeziehen und damit ihren Kunstcharakter zu verfremden und zu erweitern. Das war 1966 in Hamburg (auf Einladung Rolf Liebermanns) und lange bevor das IRCAM in Paris entstand. «Der Spiegel» überschrieb damals seinen Artikel: «Ein bißchen 007».
Parallel zu solchen zukunftsweisenden Experimenten arbeitete Blacher jedoch auch an Werken, deren Vorlagen er direkt aus der Literatur übernahm (um das problematische Wort «Literaturoper» zu vermeiden). So richtete er für seinen Schüler Gottfried von ...
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Opernwelt Mai 2014
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 31
von Stephan Mösch
Merkwürdig. Ist da was …? Der König hebt den treuen Vasallen im siegreichen Kampf wider die Sachsen hervor. Und die Inszenierung konstruiert da flugs ein Dreieck aus einem notorisch Gutgläubigen und zwei Verdächtigen. Der König: Marke? Die ihn hintergehen: Isolde? Tristan? Und da, bevor Akt zwei anhebt – der da auf der blau-weiß-rot drapierten Bühne durch den...
Das Leben ist kein Ponyhof? Mag sein. Dafür ist die Opernbühne manchmal ein Bestiarium. Da findet man Ziege, Pferd, Hund und Katze und natürlich jede Menge Vögel, die nicht nur tirilieren, sondern sogar Wagner’sche Reime von sich geben können. Zu Titelrollen haben es aber nur wenige Tiere gebracht: Leos Janáceks «Schlaues Füchslein» zum Beispiel, in diesem Spätwerk...
Mit seinen Opern hatte Antonín Dvorák, mit Ausnahme von «Rusalka», außerhalb Böhmens wenig Glück. Der 1875 komponierten «Vanda» war selbst in seiner Heimat kein Erfolg beschieden: Der Fünfakter im Stil der französischen Grand opéra fiel bei der Prager Premiere durch und ist heute gründlich vergessen. Zu Unrecht, wie jetzt die Osnabrücker Aufführung bewies. Gewiss...
