Die doppelte Bartoli
Ein wenig ungalant ist es schon, aber sie provoziert eine solche Teilung der Karriere ja selbst – in eine «alte» Cecilia Bartoli und in eine «neue». Und das Beste ist: Beide begegnen einem innerhalb von nur 24 Stunden auch noch am selben Ort, in Salzburgs Haus für Mozart. Die frühere, der Koloraturenspringball, die Sängerin, die irrsinnigen Spaß am Zierrat hat, an der Jonglage mit Noten und Dynamikwerten, am Charmieren mit Kollegen, Dirigent und Parkett, die ist bei Händel aktiv. In einer konzertanten «Semele», die weitgehend identisch ist mit der Zürcher Besetzung von 2009.
Charles Workman als Jupiter ist wieder dabei, dessen Stimme zum Heldischen drängt, aber nichts von ihrer Geläufigkeit eingebüßt hat. Und Birgit Remmert, die ihre Juno so herrlich aufplustern kann, dass die Blitze des Gatten dagegen wie müdes Funkeln wirken.
Aber entscheidender ist ja die andere Bartoli, die sich hier, am Schauplatz ihrer eigenen Pfingstfestspiele, entwickelt. Mit Bellinis «Norma» hat das vor zwei Jahren angefangen. Und jetzt, mit Glucks «Iphigénie en Tauride», hat sie eine weitere Tür aufgestoßen: So schonungslos, so ungeschminkt, so herb war die Römerin nie. Vielleicht auch, weil sie weiß, dass ...
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Opernwelt Juli 2015
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Markus Thiel
Jeder weiß, was gespielt wird. Von Anfang an. Und es sieht schwer danach aus, dass in dem braunschwarz furnierten Wohnregal, das Herbert Murauer auf die Bühne der Stuttgarter Oper gewuchtet hat, nicht die erste Swinger-Übung läuft. Was die drei Damen und die drei Herren schon so alles ausprobiert haben, wenn sich der Vorhang quietschend für das nächste Abenteuer...
Frau Meier, Sie sind es gewohnt, als «große Sängerin» tituliert zu werden. War dies die unmittelbare Konsequenz Ihres «Übernacht-Erfolgs» als Kundry 1983 in Bayreuth?
Nein, in der eigenen Wahrnehmung ging die Geschichte früher los. Steil nach oben ging es für mich nicht mit Bayreuth, sondern nach meinem Debüt 1976 in Würzburg. Zwei Monate, nachdem ich dort...
Man kann auf eine sehr heutige Art gestrig sein. William Kentridge stopft in Amsterdam die gute alte «Lulu» mit vielem voll, was aktuelle Videotechnik hergibt. Er schickt Bergs Luft- und Liebesgymnastikerin durch vagierende Räume aus Bewegung und Licht. Mal überziehen Zeitungsschnipsel die breite Bühne, mal Spruchbänder mit Zitaten und Kommentaren. Mal spritzt...
