Belcanto con anima
Das erste abendfüllende Meisterwerk im komischen Genre schrieb Gioacchino Rossini mit zwanzig Jahren: «La pietra del paragone» (Mailand, 1812). Lange in der Versenkung verschwunden, wurde es Mitte der 1960er Jahre von Günther Rennert neu entdeckt und bearbeitet und erlebte unter dem Titel «Die Liebesprobe» erfolgreiche Aufführungen in München und Hamburg. Doch erst seit einigen Jahren beginnt sich das Stück international im Repertoire zu etablieren. Zwei gleichzeitig auf DVD erschienene Produktionen aus Paris und Madrid legen davon Zeugnis ab.
Das Libretto Luigi Romanellis wirkt noch heute frisch und modern, sieht man einmal von dem Verkleidungsmummenschanz ab, der zu den festen Bestandteilen einer Opera buffa im neapolitanischen Stil gehört (siehe «Così fan tutte»). Der reiche Hagestolz Graf Asdrubale gibt auf der Suche nach der richtigen Frau eine Party auf seinem Landgut und stellt dort die Zuverlässigkeit der Kandidatinnen auf die Probe, indem er seine Insolvenz vortäuscht.
Der Gedanke, eine solche Komödie in die Welt einer amerikanischen Sitcom zu transportieren, wie es in Paris geschah, ist keineswegs abwegig. Doch die Regisseure Giorgio Barberio Corsetti und Pierrick Sorin ...
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Kann man ein Märchen ohne Emotionen erzählen? Ohne Wärme und ohne Fantasie? «A Flowering Tree» von John Adams, uraufgeführt bei Peter Sellars’ Wiener Mozartfest im November 2006, handelt von dem Mädchen Kumudha, das sich in einen blühenden Baum verwandeln kann. Die Metamorphose zum Baum und wieder zurück dient dem Lebensunterhalt der Mutter, die Blüten verkauft...
Mozart, Wagner, Massenet, Puccini, Strauss, Berg – Donald Runnicles hat an der Met bereits ein breites Repertoire dirigiert. Das Ergebnis bewegte sich dabei eher auf Alltags- als auf Festspielniveau. Die Premiere der neuen Produktion von Brittens «Peter Grimes» ergab ein anderes Bild. Runnicles gelang eine erstklassige Aufführung, vom ersten bis zum letzten Takt:...
Was macht man mit dem Titelhelden? Besetzt man die große Kastratenpartie in Händels 1724 uraufgeführter Oper «Giulio Cesare in Egitto» mit einer Altistin oder einem Kontratenor? Oder vielleicht sogar mit einem Bariton, wie es vor dem Siegeszug der historischen Aufführungspraxis üblich war? Das Badische Staatstheater Karlsruhe entschied sich bei dem opulenten...
