Nixe aus Heringsdorf
Wer die Oper liebt, kennt auch die Geschichte vom Berg und dem Mäuslein. Es ist nämlich ein Maximum an Kraft und Können nötig, um das perfekte Nichts zu produzieren. Diese Erfahrung gehört zu den vielen Paradoxa des «unmöglichen Kunstwerks», die der Kritiker Oscar Bie 1913 in seiner legendären Analyse dieser Gattung nur vergessen hatte zu erwähnen.
Ende April war es wieder so weit: An der Deutschen Oper Berlin wuchsen überirdisch feine und zerbrechliche Klänge aus dem Graben, wie sie nie von Maschinen erzeugt werden können, nur von Menschen, und zwar sehr vielen.
Nur ein Riesenorchester kann solch ein fantastisch ergreifendes Crescendo aus dem Nichts heraufbeschwören, das sich langsam aufbaut, im Pianissimo aus der Stille aufsteigend. Geteilte Violinen, Harfen treten dazu, Vokalisen einer hohen Frauenstimme, Chorstimmen aus dem Off. Später, mit den Bläsern dabei, verdichtet sich das zu einer schimmernden, flutenden Fläche aus Mischfarben. Dem einen oder anderen Zeugen der Uraufführung im Zuschauerraum mögen sich bereits bei der Introduktion zu dieser neuen Oper «Oceane» von Detlev Glanert die Nackenhaare gesträubt haben – was sich zwei Stunden später, nach dollen Sturm- und ...
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Opernwelt Juni 2019
Rubrik: Panorama, Seite 34
von Eleonore Büning
Friedrich Nietzsches früher Text «Vom Nutzen und Nachteil der Historie für das Leben» hat seine Aktualität keineswegs eingebüßt, sondern gerade für den Kulturbetrieb gewonnen, in dem die Vergangenheit immer mehr die Gegenwart überlagert, der Nostalgie mitunter schier nekrophile Züge beigemischt sind. Dazu gehört, dass der Kult um die großen «runden» Geburts- und...
Darmstadt legt den Rückwärtsgang ein. Aber was 1912 Hugo von Hofmannsthal und Richard Strauss unter Assistenz Max Reinhardts nicht schafften – Molières comédie-ballet «Der Bürger als Edelmann» mit dem Operneinakter «Ariadne auf Naxos» zu einem Hybrid aus Wort, Tanz und Gesang zu verbinden –, ging auch in Christian Weises Darmstädter Inszenierung gründlich schief....
Ende des Monats ist es wieder so weit: Fedora, getragen vom European Circle of Philanthropists of Opera and Ballet, ruft zur Preisverleihung nach Venedig. Eine Opern- und eine Ballettproduktion werden ausgezeichnet und erkleckliche Beträge einstreichen. Der Name Fedora taucht zwar immer mal auf, aber wer und was verbirgt sich eigentlich dahinter? Das Netzwerk...
