Hochseekrimi
Detlev Glanert gehört zu den wichtigsten Opernkomponisten der mittleren Generation. Wie fast alle seine zwölf vorausgegangenen Bühnenwerke beruht auch sein jüngster Einakter «Das Holzschiff» auf einer literarischen Vorlage, dem ersten Teil der Romantrilogie «Fluss ohne Ufer» von Hans Henny Jahnn. Der große Poète-maudit der deutschen Literatur erzählt in dieser 1935/36 entstandenen Novelle die geheimnisvolle Ausfahrt eines Segelschiffs, das unter dem Befehl eines Superkargos mit unbekannter Fracht und unbekanntem Ziel ausläuft und nach einer Meuterei auf hoher See untergeht.
Ein Mord ist geschehen; aber die Leiche Ellenas bleibt unauffindbar – auch für Gustav, ihren Verlobten, der als blinder Passagier auf das Schiff gekommen ist.
Bei Jahnn ist das äußere Geschehen Abbild einer Reise zu den Gletschern der Seele. Sein Roman zeigt den Menschen als «Schauplatz von Ereignissen», was die Arbeit des Librettisten nicht gerade erleichtert. Christoph Klimke ist es mit einer stationenartigen Dramaturgie gelungen, Atmosphäre und Figuren der Vorlage so zu konzentrieren, dass die erzählerischen Umrisse erhalten bleiben und insgesamt sieben Tanz-Interludien zugleich einen eigenständigen Klangraum ...
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Ursprünglich nannte Walter Braunfels seine Oper «Die heilige Johanna». Und das Libretto basiert auch nicht, wie meist angegeben, auf den Prozessakten, die er gar nicht lesen konnte, sondern auf George Bernard Shaws gleichnamigem Erfolgsstück. Es ist eine klassische Literaturoper mit Einsprengseln aus Shakespeare, Schiller und dem Urteil der historischen Jungfrau...
Vom ersten Augenblick an Apokalypse. Dunkle Gestalten in Camouflage-Hosen rennen über die Bühne, setzen sich die Heroin-Nadel. Hunde schnüffeln an Leichen, auf frischen Gräbern stecken schäbige Holzkreuze. Im Hintergrund dräut ein wolkenzerrissener schwarzer Himmel vor den Ruinen einer zerschossenen Stadt. Das könnte Sarajevo sein, aber auch Verona. Denn, man...
... und wenn sie nicht gestorben sind. Das ist das lieto fine vieler Märchen. Am Ende des neuen «Ring» an der Hamburgischen Staatsoper ist Siegfried nicht gestorben. Nach dem Weltbrand steht er mit rücklings blutbeflecktem Hemd am Fenster und blickt versonnen – wohin? Er rührt sich nicht, wenn ihm Brünnhilde, die sich zuvor mit seinem Schwert die Pulsadern geöffnet...
