Kinder, macht Neues
Wagners politisch vorbelastete Oper von der Utopie einer ästhetischen Selbstregierung des Volkes stellt für jeden Regisseur eine so verlockende wie schwierige Aufgabe dar – wie schwierig, hat Jens-Daniel Herzog zu spüren bekommen, als ihm am Ende seiner Mannheimer Inszenierung ein wahrer Buhsturm entgegenschlug. Dabei hat er den Knoten geradezu genial gelöst und die Wunden des Stückes offen gelegt, indem er die Handlung ganz ins Heute rückt, ohne aber – wie oft geschehen – Nachhilfeunterricht in deutscher Geschichte zu geben.
So einsehbar nüchtern wie der helle Einheitsraum, den Mathis Neidhardt schuf, war das frische, lebendige Spiel und ließ doch selbst in der bitter karikierenden Zuspitzung noch jene Menschlichkeit durchschimmern, zu der Wagner hier findet.
Bei Herzog ist der verarmte Ritter Walther von Stolzing ein leicht in die Jahre gekommener Rocker, der verständlicherweise das Herz des properen Bürgertöchterleins Eva im Sturm erobert. Unterstützung findet er bei Nürnbergs Jugend, die im nächtlichen Aufruhr als Ausstellungsstücke in Ehren gehaltene Preziosen der Meistersingerzunft von den Podesten stürzt. Dass im Kostümfest des Finales, nach Walthers erfolgreich absolviertem ...
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Das Werk steht als Rätsel vor uns. Es geht im sprichwörtlichen Sinne um eine Glaubensfrage: Was der Gral ist, oder eben nicht, liegt an der Perspektive dessen, der auf den Schrein schaut. Ist diese Perspektive eine gleichsam gottgewollte, gottwollende, gar gottgeweihte, so lässt sich in der Tat enormes kathartisches Potenzial im «Parsifal» behaupten und auch...
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