Jedermanns Abstieg
Zunächst spricht ein Mann mit seinem Bier. Dann kommt Wladimir Putin ins Bild mit einer Rede an die russische Nation, in der er die Aussetzung der Abrüstungsverträge ankündigt. Hierauf sieht man Condoleezza Rice mit süffisantem Lächeln Putin einen Hysteriker heißen, der wegen ein paar Raketen durchdrehe. Werbung, News, der ganz alltägliche Wahnsinn im Fernsehen an jenem Abend des 26. April 2007. Alles läuft über einen Bildschirm, der die ganze Bühnenöffnung im Klagenfurter Stadttheater einnimmt.
Irgendwann während der Bilderdusche gleiten die Streicher beinahe unbemerkt hinein ins Miniglissando, meckert das Holz, buchstabiert das Englischhorn sein «Hauptmann»-Thema, erhebt sich in der Proszeniumsloge links ein Herr mit hoher Stirn und beklagt die mangelnde Moral eines Menschen namens Wozzeck. Worauf der Angesprochene aus der Loge gegenüber kontert, Moral sei eine Frage des Geldes, und wer arm sei, müsse im Himmel donnern helfen.
Es geht um Alban Bergs Büchner-Oper. Doch Regisseur Olivier Tambosi sieht die Gründe für Wozzecks extremen Pinkeldrang, die Ausfallserscheinungen und Halluzinationen, den Verfolgungswahn nicht bei den an Büchners Soldaten durchgeführten Experimenten mit ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Kein Zweifel: Der auf den Wassern der Erde umherirrende Fliegende Holländer muss unweit der südamerikanischen Küstenstadt Belem auch in das größte Stromgebiet der Welt eingelaufen sein und, immer westwärts, den Urwald erreicht haben, um sich dort, mitten im brasilianischen Dschungel, in Manaus, der Stadt am Zusammenfluss von Rio Negro und Rio Solimões, mit den...
Wenn Sänger Regie führen – auch und gerade solche, die selbst gute Darsteller sind –, haben sie nicht zwangsläufig ein überzeugendes Regiekonzept. Aber Franz Grundheber liefert auf Dirk Immichs zeitloser, wellenförmig wogender Bühne ein fein herausgearbeitetes, detailgenaues Rollenporträt, für das ihm mit Johannes M. Kösters ein versierter Hauptdarsteller zur...
Schon mit den ersten Takten hebt sich ein Glitzervorhang und gibt den Blick frei auf Anna. Sie blättert in einem Lifestyle-Magazin, zieht sich die Lippen nach und rasiert die Waden. Oder sollten wir es doch mit Manon zu tun haben, die, wie wir gelesen haben, bei einem
gewissen Abbé als Romanheldin auftaucht und später, ebenfalls lange her, von einem Franzosen zum...
