Sinnlicher Grübler
Christian Gerhaher mag selbst etwas von Faust haben. Auch er ist, wenn man so will, ein Grübler, ein unaufhörlich Suchender. Nur ein nach Macht gierender Mensch ist er nicht, doch davon später. Jedenfalls war auch sein Don Giovanni in Frankfurt kein planes Abbild eines Sexmächtigen, sondern eher ein im Eros verschlissener, nachdenklicher, ja brütender Antiheld. Don Juan und Faust, zwei Seelen wohnen, ach...: «Es geht Faust nicht nur um Erkenntnis, sondern auch ganz stark um Erleben. Dieses sinnliche Erleben ist meist ein unterrepräsentierter Aspekt des ‹Faust›-Dramas..
», so Gerhaher im Booklet dieser Live-Aufnahme von Schumanns «Szenen aus Goethes Faust». Es gehe um Liebe, sinnliche Erkenntnis, um höchste Schönheit, aber auch um Politik und Macht, sogar um Landgewinn. Faust müsse «den ganzen Horizont menschlicher Gier und Neugier abschreiten».
Dies faszinierte schon Robert Schumann an Goethes eigentlich als Lesedrama geplanter Tragödie, vor allem an deren allegorisch-transzendentem zweiten Teil, aus dem er auch die Hauptlast dieses Werks bezog. Lange Jahre kämpfte der Komponist mit der Materie; eine Oper sollte es ursprünglich werden und wurde dann zum genialen Mixtum compositum, ...
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Opernwelt Februar 2015
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 22
von Gerhard Persché
Wie ein Goldregen senkt sich der Klang ihrer lyrischen Sopranstimme auf die Hörer. Mit dem Gnadengeschenk eines erlesenen Timbres hat die Natur Mirella Freni bedacht, es verzaubert mit der «Fülle des Wohllauts». Der sinnliche, der schöne Ton – das ist keineswegs ein sängerischer Narzissmus, der sich im suono estetico gefällt, sondern, wie Theodor W. Adorno betonte,...
Seit den 1980er-Jahren posieren sie in und um Covent Garden für Touristen: kupferne Zenturionen, silberne Schornsteinfeger oder vornehme Stadtbürger in Bronze. David McVicar war der erste Regisseur, der einen dieser edelmetallisch glänzenden Straßenkünstler ins Royal Opera House holte. Duncan Meadows hieß der muskulöse Mime – er verkörperte in McVicars...
Niccolò Jommelli, dessen Schaffensperiode sich von 1737 bis 1772 erstreckt, ist mit Abstand der begabteste und interessanteste italienische Opernkomponist jener Dekaden, ja sogar eine der bedeutendsten Erscheinungen des gesamten 18. Jahrhunderts», so David Kimbell in seinem Standardwerk «Italian Opera». Und der britische Gelehrte stellt fest: «Keinem andern großen...
