Intimes Kammerspiel
Die «Not um den Geschlechtstrieb» im «Parsifal» –Friedrich Nietzsche hat ihn als einer der Ersten spöttisch aufs Korn genommen. Nicht von ungefähr, handelt es sich dabei doch um nur eine der – gerade aus heutiger Sicht – anachronistisch anmutenden Ideen dieses ideologisch nicht unproblematischen Werks.
In seiner Neuinszenierung des Bühnenweihfestspiels für die Königliche Oper in Stockholm hat Christof Loy mit seinem Gespür für spannendes Musiktheater versucht, aus dieser Not eine Tugend zu machen.
Angeregt durch einen Film über den Mönchsorden der Kartäuser («Die große Stille»), spielt der Regisseur die Möglichkeit einer auf sexueller Enthaltsamkeit und Askese beruhenden Lebensweise als eine im 19. Jahrhundert verortete Utopie durch – mit all ihren Problemen und Schwierigkeiten.
Wie kann das gelingen? Indem Loy auf Pathos, Weihrauch, Mystik verzichtet. Sicher, er ruft die christliche Symbolik auf: Amfortas erscheint halbnackt als leidender Christus mit Dornenkrone wie im Oberammergauer Passionsspiel (Kostüme: Barbara Drosihn) , die Gralsenthüllung wird wie eine katholische Messe gefeiert. Doch die Darstellung des zentralen Rituals bleibt realistisch, fast sachlich, der Kirchenraum ...
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Opernwelt Dezember 2013
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Andreas Bücker
Fast ein Jahrzehnt ist es nun her. Aus der Übersättigung mit Händel & Co., angerichtet meist als pikantes, hochkalorisches Menü, wurde eine Hungerkur: München zählte wieder zur Barock-Diaspora – auch weil mit Nikolaus Bachler an der Bayerischen Staatsoper ein Intendant ans Ruder kam, der dem Repertoire vor Mozart wenig abgewinnen kann. Dabei bieten sich Spielorte...
Unter all den Projekten zum Wagner-Jahr ist es vielleicht das aussagekräftigste: keine musikalische Überschreibung, keine szenische Reibung, sondern eine musikhistorische Verortung. Marc Minkowski dirigiert den «Fliegenden Holländer» doppelt, zum einen jene Frühfassung, die Richard Wagner 1841 im Pariser Vorort Meudon komponierte, zum anderen «Le Vaisseau fantôme»...
Erstaunlich genug, wenn eine große Opernsängerin nach ihrem Abschied von der Bühne eine zweite Karriere als Theaterleiterin mit Erfolg durchhält. Noch erstaunlicher, wenn sie auch als Inszenatorin immer mehr überzeugt. Nicht erst jetzt, nach dem Ende ihrer Intendanz in Innsbruck, zeigt sich Brigitte Fassbaender als erfahrene, aber auch neugierig-innovative...
