Wie du warst, wie du bist
Nicht im Getöse war Gott, als Elias ihn suchte. Nicht in Sturm, Erdbeben, Feuersbrunst. Erst im sanften Säuseln danach fand der Prophet den Herrn, berichtet das Erste Buch der Könige. Christophe Rousset, Dirigent von Monteverdis «Il ritorno d’Ulisse in patria» am Theater an der Wien, scheint diese Stelle aus dem Alten Testament verinnerlicht zu haben, denn ruhig, bedächtig, unaufgeregt, beinahe elegisch breitet er die Partitur vor uns aus, ganz anders als manche Kollegen, die sich mit dramatisch hochgepeitschter Lust in dieses Werk stürzen.
Der Dirigent, der nach eigener Aussage ohnehin die Stille am meisten liebt, poliert Details, malt das musikalische Geschehen mit seinem Ensemble Les Talens Lyriques eher als Aquarell (und nicht in Öl wie Hans Werner Henze in seiner Fassung für die Salzburger Festspiele in den 1980er-Jahren; Monteverdi hat hinsichtlich der Instrumentation den Interpreten ja ziemlich freie Hand gegeben). Und Rousset lässt sich Zeit. Denn, denkt er wohl, wenn jemand wie Odysseus sich zwei Jahrzehnte lang durch die Welt geschlagen hat, kommt es auf ein paar zusätzliche Minuten auch nicht mehr an.
Zwanzig lange Jahre. Kein Wunder, dass der Held seiner Gattin fremd ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt November 2012
Rubrik: Panorama, Seite 53
von Gerhard Persché
Zu den Vorzügen der neuen Met-Produktion von «L'elisir d'amore», die nun dankenswerterweise John Copleys Kitschorgie von 1991 ablöst, gehört eines sicher nicht: ein einfühlsames Dirigat. Es scheint der Met einfach nicht gelingen zu wollen, einen wirklichen Belcanto-Spezialisten zu engagieren, und so stand ein weiteres Mal der ehrbare Maurizio Benini am Pult. Er hob...
Kein «Städtchen Kalinow am Ufer der Wolga», sondern ein unfertiger Hausklotz, von knöcheltiefem Wasser umgeben (aha, der Strom), auf der einen Seite Fensterlöcher, die auf Pleite während des Rohbaus schließen lassen, auf der anderen ein Laboratorium. Weißkittel allenthalben, hier hat die Kabanicha das Sagen. Erdbebenforschung, lesen wir im Programmbuch. Wir...
Impressum
53. Jahrgang Nr. 11
Opernwelt wird herausgegeben
vom Friedrich Berlin Verlag
ISSN 0030-3690
Best.-Nr. 752248
Redaktion Opernwelt
Knesebeckstraße 59-61 | 10719 Berlin
Tel.: +49(0)30/25 44 95 0
Fax: +49(0)30/25 44 95 12
E-Mail: redaktion@opernwelt.de
www.opernwelt.de
Redaktionsschluss dieser Ausgabe war
der 11.10.2012.
Redaktion:
Stephan Mösch
Albrecht...
