Das Höchste: Ein Liebestod
Den Verstand zu verlieren über Wagners «Weltabschiedswerk» galt lange als gute Tradition. Zumal im Bayreuther Festspielhaus, für dessen «mystischen Abgrund» der Meister sein opus summum bekanntlich konzipierte. Woher die Klänge kommen, wie sich Stimmen, Strukturen und Farben mischen – darüber sollte das Publikum staunend rätseln wie Gurnemanz über die Herkunft des reinen Toren. Mit der Mär von Monsalvat zielte er nicht nur auf eine neue ästhetische Erfahrung, sondern auf spirituelle Erleuchtung, auf «metaphysische Einkehr» (Ernst Bloch).
Deshalb der kunstreligiöse Untertitel: «Bühnenweihfestspiel». Deshalb die zeremonielle Aura. Oper als Oratorium, als Ersatzmesse, als kollektives Ritual.
Aber eben auch: modernes Traumtheater, Parcours des Unbewussten, Zukunftsmusik. Ein erhaben-unwiderstehlicher Klangstrom, Adagio-Droge von halluzinogener Kraft. «Schöne lange Weile» (Dieter Schnebel) und schäumende Erregung, feierliche Statik und kühne chromatische Bewegung. Wagners Bilanzstück, das Kelch und Schwert, Kreuz und Gral gegen die Oper als amusement in Stellung bringt, gegen die (vermeintlich) hohle Pracht der grand opéra. Zumutung und Offenbarung. Unendlich viel steckt in «Parsifal» ...
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Opernwelt Mai 2013
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Albrecht Thiemann
Heil sei dem Tag, Heil sei der Stunde». Das klang ihnen so vertraut. Also putzten die Nazis anlässlich ihres Einmarsches in Österreich vor 75 Jahren sich ihre Stiefel an Beethovens «Fidelio» ab, am 28. März 1938 in der Staatsoper. Knappertsbusch dirigierte, Max Lorenz sang den Florestan, Hilde Konetzni die Titelpartie. Hermann Göring war da und stellte sarkastisch...
Herr Friedrich, in Deutschland gibt es vor allem zwei Komponisten, mit denen man als Chor-Dirigent bekannt werden kann: Bach und Wagner. Richtig?
Das hängt bei Wagner natürlich vor allem mit der exponierten Bedeutung von Bayreuth zusammen. Und damit, dass die Chöre bei Wagner und Bach eine echte Aussagefunktion haben. Man hat seinen Spaß daran.
War der Wagner-Akzent...
So unterschiedlich können die Perspektiven sein: Während deutsche Operninteressierte ihre Blicke besonders auf Regisseur Werner Herzog richteten, stand für das römische Publikum Riccardo Muti im Mittelpunkt. Wie recht es damit hatte! Denn dem 71-Jährigen merkt man in jedem Takt dieser Aufführung an, dass ihm «I due Foscari» ein Herzensanliegen sind. Er hat die Oper...
