Existenziell ist nicht genug
Schwester Helen ist eine besondere Nonne. Im Duett mit dem Todeskandidaten Joseph trällert sie Songs von Elvis Presley, deutet an, dass sie das Zeug zum Partygirl hätte. Es ist jene Szene im zweiten Akt von Jake Heggies «Dead Man Walking», die uns die Vielseitigkeit der sozial engagierten Katholikin aus New Orleans zeigen möchte, sie endgültig zur Heldin des Alltags erhebt. Und es ist tatsächlich ein besonderer Moment. Denn auch das Werk selbst bekennt hier Farbe, gestattet sich eine buntscheckige Lebendigkeit, die ihm sonst fehlt.
Die Oper ist einer realen Geschichte und dem gleichnamigen Film nachempfunden. Sie erzählt von einem Doppelmörder, der kurz vor seiner Hinrichtung zum Geständnis seiner Tat und damit zu einer moralischen Wende gelangt. Doch trotz der brisanten Thematik: Heggie hat eine Oper geschrieben, die in ihren versandhauskatalogartigen Adaptionen der europäischen Musikgeschichte beinahe überraschungsfrei daherkommt – wie das gravitätisch auftrumpfende Gegenstück zu «Europeras» von John Cage. Dass das Stück bei der Europäischen Erstaufführung in der Dresdner Semperoper trotzdem Zustimmung erntete, ist leicht zu begründen. Das Libretto (Terence McNally) ...
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Die ehemals Fürstbischöfliche Oper in Passau ist mit dreihundertdreißig Plätzen wohl eines der kleinsten öffentlichen Theater der Welt. Und doch bietet das von Stefan Tilch geleitete Haus ein von Händel über Verdi bis zu Strauss und Britten reichendes Programm, das es mit den «Großen» aufnehmen kann. Und jetzt Riccardo Zandonais «Francesca da Rimini»,...
Was hätte dieser Abend für eine Entdeckung werden können: Antonio Salieris einstiger Kassenschlager, der 1788 – kurz vor der Französischen Revolution – in Wien Mozarts «Don Giovanni» an Aufführungen und Publikumsgunst haushoch übertraf. Doch für den Sprengstoff des Librettos von Lorenzo da Ponte hatte der Regie führende Intendant Ulrich Peters keinen Sinn....
In Moskau mit seinen elf Millionen Einwohnern gibt es fünf Opernhäuser, und sie sind fast jeden Abend sehr gut besucht. Doch die fünf Zacken des Moskauer Opernsterns strahlen nicht alle gleich intensiv. Drei Häuser kann man ohne weiteres große nennen, während die beiden übrigen verhältnismäßig kleine Spielstätten haben, obwohl sie über eine recht große Truppe...
