Die Willensstarke
Sie weiß genau, was sie will, jettet von einem prestigeträchtigen Opernhaus zum nächsten, und ihre silbrigen Spitzentöne sprudeln wie ein quicklebendiger Quell: Auf den ersten Blick scheint die kanadische Sopranistin Barbara Hannigan die gängigen Eigenschaften einer veritablen «Diva» zu besitzen. Ihr deshalb Allüren zu unterstellen, wäre indes unfair. Eine Diva würde ihre Stimme kaum so regelmäßig durch die Schlingen und Engpässe des zeitgenössischen Repertoires fädeln.
Sie würde sich wohl auch nicht gemeinsam mit einer Truppe moderner Tänzer im Luftraum über der Bühne aufhängen lassen oder – für ein Rollendebüt als Lulu – ihre Füße in Ballettschuhe zwängen. Und ganz sicher würde eine Diva nicht mal eben die Berliner Philharmoniker dirigieren.
Barbara Hannigan hat gerade die vierzig überschritten und entpuppt sich immer mehr als Pionierin des zeitgenössischen Musiktheaters. Über achtzig Premieren kann sie inzwischen auf der Habenseite verbuchen, und Komponisten von György Ligeti bis Michel van der Aa haben auf das Engste mit ihr zusammengearbeitet. Zu ihren jüngsten Engagements zählen die weibliche Hauptrolle in George Benjamins Oper «Written on Skin», die im zurückliegenden ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Jahrbuch 2013
Rubrik: Sängerin des Jahres, Seite 20
von Rebecca Schmid
Sie hat Mut. Fährt schon mal volles Risiko. Befragt jedes Stück radikal aufs Hier und Heute. In zwingenden, oft surrealen Bildern. Um sich und uns zu überraschen. Das ist Tatjana Gürbaca, der «Regisseurin des Jahres», immer wieder gelungen, seit sie im Jahr 2000 beim Grazer «Ring Award» reüssierte. In der vergangenen Saison mit einem schaurig-schönen, unter...
Im Zeitalter der Medien geht es im Allgemeinen nicht mehr um die Darstellung des jeweiligen Werkes, sondern um die Selbstdarstellung der Dirigenten und Regisseure. Da von der Mehrzahl der Medien bei der Vielzahl der Ereignisse nur noch die Extreme beachtet werden – es muss extrem jung oder alt, extrem schnell oder langsam, extrem leise oder laut, extrem schön oder...
Gleich im ersten Intendantenjahr hat Barrie Kosky es geschafft, der Komischen Oper Berlin seinen Stempel aufzudrücken: Bunter, hipper, vitaler ging es in der Saison 2012/13 an keinem anderen Opernhaus der Hauptstadt zu. Von Monteverdi bis zu Neuwirth, vom Mozart-Kino bis zur deutsch-türkischen Kinderoper und Operettenrevue. Ein programmatisches Bekenntnis: Am...
