Krieg und Lieben
Vom ersten Augenblick an Apokalypse. Dunkle Gestalten in Camouflage-Hosen rennen über die Bühne, setzen sich die Heroin-Nadel. Hunde schnüffeln an Leichen, auf frischen Gräbern stecken schäbige Holzkreuze. Im Hintergrund dräut ein wolkenzerrissener schwarzer Himmel vor den Ruinen einer zerschossenen Stadt. Das könnte Sarajevo sein, aber auch Verona. Denn, man glaubt es kaum, eigentlich sind wir hier in Gounods Liebesdrama «Roméo und Juliette».
Der südfranzösische Regisseur Olivier Py, der 1998 ein Theaterstück über Srebrenica geschrieben hat, lässt die Oper mitten in einem Krisengebiet spielen, das stark an die Bilder vom jugoslawischen Bürgerkrieg erinnert. Statt verfeindeter Familien bekämpfen sich Volksgruppen. Das ist gerade in Amsterdam pikant, waren es doch niederländische Blauhelm-Soldaten, die beim Verbrechen von Srebrenica tatenlos zusahen. Die These des Regisseurs: «Romeo und Julia» ist kein Stück über die Liebe, sondern eines über den Krieg. Wenn ringsumher der Tod regiert, so scheint diese Liebe nur besonders ausgeprägt – so stark wie die lebhaften Farben beim Fest der Capulets im ersten Akt, die aus dem düsteren Bühnenbild von Pierre-André Weitz hervorstechen wie ...
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Wo Türen und Fenster undicht sind, zieht es, und Hoffmann ist mitten darin. Zappelnd Starres dient dem, Traum wird frei, ruft jedem nach.» So hatte 1930, halb philosophisch raunend, halb expressionistisch stammelnd, Ernst Bloch seine Kritik von Otto Klemperers berühmter Produktion an der Berliner Kroll-Oper begonnen. Offenbachs fantastische Oper ist Urgestein des...
Der Komponist Saverio Mercadante ist auf dem Opernfestival in Wexford schon des Öfteren gewürdigt worden. Nach Aufführungen von «Elisa e Claudio» (1988), «Elena da Feltre» (1997), «Il giuramento» (2002) und «La vestale» (2004) wurde die 59. Spielzeit in diesem Jahr mit einer Neuinszenierung der selten gespielten «Virginia» eröffnet. Mercadante war 56 Jahre alt, als...
Max Schreck hieß sinnigerweise der Schauspieler, der in Murnaus «Nosferatu» von 1922 die nämliche Schauergestalt spielte. 88 Jahre später begegnen wir seinem Klon auf der Bühne der Wiener Staatsoper – in Sven-Eric Bechtolfs Neuinszenierung von Paul Hindemiths Art-and-Crime-Oper «Cardillac», der ersten Premiere unter Direktor Dominique Meyer. Die Nosferatu-Gestalt...
