Der Welt abhanden gekommen

Nietzsches Echo im Lied: Peter Schöne und Moritz Eggert porträtieren einen zerrissenen Melancholiker

Opernwelt - Logo

Der Lyriker bleibt am längsten mit dem Musiker geeint», schreibt Friedrich Nietzsche in «Götzen-Dämmerung», auch wenn die Künste sich «allmählich spezialisiert und voneinander abgetrennt» hätten. Mit beiden Kunstgattungen war Nietzsche eng vertraut: Bis etwa zum 30. Lebensjahr komponierte er selbst, auch wenn er wusste, dass er dabei unter der Messlatte der von ihm geschätzten Komponisten blieb. Die Lyrik dagegen begleitete Nietzsche lebenslang, Gedichte entstanden schubweise in mehreren Phasen.

Der Einfluss der beiden Künste reicht so weit, dass man durchaus zögern darf, Nietzsche einen Philosophen in der Weise zu nennen, wie Kant oder Hegel das waren. Er gehörte nicht nur zu den wenigen seiner Zunft, die kompetent, wenn auch leidenschaftlich Partei ergreifend über Musik schreiben konnten. Seine Musikalität hat einen neuen Begriff von Philosophie geschaffen, an zentralen Stellen kippen auch die philosophischen Texte immer wieder ins Gedicht, in den Klang, ja in eine tänzerische Logik der Bewegung.

Kein Wunder also, dass sich Komponisten immer wieder magisch von Nietzsche angezogen fühlten und fühlen. Der Bariton Peter Schöne und der Pianist, Komponist und Performer Moritz Eggert ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2017
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 28
von Michael Stallknecht

Weitere Beiträge
Noch eine Elphie

Zum Lachen geht man in Dresden jetzt in den Keller: Das Kabarett «Herkuleskeule» hat nämlich eine neue Spielstätte, im Untergeschoss des Kulturpalasts. Durch die Entscheidung, dem 1969 symbolträchtig ins historische Zentrum geklotzten Bau seine Außenhaut zu lassen, ihn innen aber völlig zu entkernen, entstand zusätzlicher Raum: Die riesige, für Orchesterkonzerte...

Gestaute Zeit

Dunkel soll es klingen, das Eisentor, das sich zu Beginn des vierten Aktes schließt. Verlauf und Zeitwerte dieses Sounds sind genau notiert, bis auf den letzten Akzent einer (sonst stummen) Quintole. Fortschreitend in Tontrauben zwischen dreifachem piano und forte. Dann mischt sich Gemurmel einer Menschenmenge in die rund um das Auditorium des Genter Opernhauses...

Stimmen der Natur

Ein «Frühlingsmärchen» hat Nikolai Rimsky-Korsakow seine vierte Oper genannt. Das trifft die in «Snegurotschka» verhandelte Sache genauer als der Name des Fabelwesens, das dem Stück den Titel gab. Denn nicht die unmögliche Romanze der Geisterbraut, die am Ende in den Armen eines profanen Handelsmanns dahinschmilzt, treibt hier die Handlung, sondern eine von...