Der Welt abhanden gekommen
Der Lyriker bleibt am längsten mit dem Musiker geeint», schreibt Friedrich Nietzsche in «Götzen-Dämmerung», auch wenn die Künste sich «allmählich spezialisiert und voneinander abgetrennt» hätten. Mit beiden Kunstgattungen war Nietzsche eng vertraut: Bis etwa zum 30. Lebensjahr komponierte er selbst, auch wenn er wusste, dass er dabei unter der Messlatte der von ihm geschätzten Komponisten blieb. Die Lyrik dagegen begleitete Nietzsche lebenslang, Gedichte entstanden schubweise in mehreren Phasen.
Der Einfluss der beiden Künste reicht so weit, dass man durchaus zögern darf, Nietzsche einen Philosophen in der Weise zu nennen, wie Kant oder Hegel das waren. Er gehörte nicht nur zu den wenigen seiner Zunft, die kompetent, wenn auch leidenschaftlich Partei ergreifend über Musik schreiben konnten. Seine Musikalität hat einen neuen Begriff von Philosophie geschaffen, an zentralen Stellen kippen auch die philosophischen Texte immer wieder ins Gedicht, in den Klang, ja in eine tänzerische Logik der Bewegung.
Kein Wunder also, dass sich Komponisten immer wieder magisch von Nietzsche angezogen fühlten und fühlen. Der Bariton Peter Schöne und der Pianist, Komponist und Performer Moritz Eggert ...
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Opernwelt Juni 2017
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 28
von Michael Stallknecht
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