Flucht nach vorn
Wohl kaum eine Figur der Operngeschichte erlebt so eine niederschmetternde Ausweglosigkeit wie Wozzeck. Wie zeigt man das auf der Bühne? Matthias Oldag, Generalintendant der Theater & Philharmonie Thüringen, und sein Bühnenbildner Thomas Gruber haben sich in Gera für eine simple, aber doch wirkungsvolle Lösung entschieden. Ein Raum, begrenzt von zwei Wänden, einer Decke und einem ansteigenden Boden, verjüngt sich nach hinten ins Nichts. Von dem Moment, in dem sich der Vorhang hebt, ist klar, dass hier eine Geschichte unausweichlich auf die Katastrophe zusteuert.
Die Decke senkt sich bis zu der niedrigen Raumhöhe, die Maries Kammer und zugleich jene Decke symbolisiert, nach der sie sich im Leben strecken kann. In der Tiefe der Hinterbühne, gleichsam in deren Fluchtpunkt wechselnde Motive – mal hängt dort eine Scheibe, die den Mond und im nächsten Moment die untergehende Sonne darstellt, mal ein blutiger Rinderkadaver, mal ziehen die Soldaten mit dem Tambourmajor an der Spitze vorbei, dann herrscht wieder nur bedrückende Schwärze. Die Figuren wirken wie eingefroren, die surrealistischen, an Salvador Dalí erinnernden Tableaux leben von der Sprache der Farbe. Es sind starke Bilder, die ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Krisenstimmung bei den Berliner Philharmonikern: Da bieten die Musiker und ihr Chefdirigent Simon Rattle im Stammhaus ein «Best of» aus Richard Wagners «Götterdämmerung» an – und eine Woche vor dem Konzert sind erst 80 Prozent der Tickets verkauft! Wo sich andere Orchester entspannt zurücklehnen, beginnen die Philharmoniker zu grübeln. Wie erklärt sich die...
Alles hängt in nachtgrauer Luft. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, Himmel und Erde. Was war, was ist, was wird – niemand weiß das mehr zu sagen. Kalt fließt die Zeit, ohne Ursprung, ohne Ziel. Die letzte Stunde hat offenbar schon geschlagen, die Welt taumelt ihrem Ende unrettbar entgegen, wenn im Palau de Les Arts Reina Sofía unter den Augen der Königin die...
Sollte die Musikgeschichtsschreibung ein Genie übersehen haben? Domènec Terradellas wurde 1713 in Barcelona geboren und starb 38 Jahre später in Rom. Seine dreiaktige Metastasio-Oper «Artaserse», 1744 für Venedigs Teatro San Grisostomo komponiert, lässt gleich mit ihrer Eingangsarie aufhorchen. Überrascht vernimmt man in Melodieführung, Harmoniebildung und...
