Produktive Überforderung
Wer in Taipeh bestehen will, muss clever sein, sagt Kuang-Ching Sung, erster Posaunist des Nationalen Symphonie Orchesters von Taiwan (NSO). Offen für alle Wechselfälle des Lebens und vor allem schnell. Wohl wahr. Das Tempo der Millionenstadt am Nordwestrand der Insel, die seit 1949, nach der Flucht der von Maos Volksarmisten geschlagenen Kuomintang, als (demokratische) Republik China firmiert, ist so atemraubend wie die heiße, nach Wasser und Benzin schmeckende Luft, die in den Straßen hängt.
Tag für Tag mischt sich das Knattern hunderttausender Motorroller mit dem dröhnenden Sound unüberschaubarer Automassen zu einer kakophonisch gellenden Unendlichen. Alles tönt auf engstem Raum durcheinander, alles scheint im Fluss. Sogar das grüne Ampelmännchen ist hier in Aktion: Kaum leuchten die Zahlen der Countdown-Uhren auf, die den Fußgängern bedeuten, wie viele Sekunden für die Straßenquerung bleiben, geht die kleine Ampelfigur auch schon zügig los; je dichter die Zeitanzeige gen null rückt, desto schneller wird der Schrittrhythmus.
Nicht selten müssen sich Kuang-Ching Sung und seine dreiundneunzig Mitstreiter in Taiwans führendem philharmonischem Kollektiv ein wenig wie das ...
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