Fein gesponnen
Filmmusikkomponisten genießen in der Klassikwelt einen durchwachsenen Ruf. Misstrauen regt sich erst recht, wenn sie ihr Genre verlassen. In der Tat kann das ins Auge gehen, wie unlängst in London, als Lucas Cantor aus musikalischen Partikeln, die ein Smartphone-Programm aus diversen Schubert-Kompositionen destilliert hatte, die zwei fehlenden Sätze zu dessen «Unvollendeter» komponierte. Das Ergebnis war eine süßliche Melange aus Edward Elgar und dem Soundtrack eines heroisch gefärbten Feel-Good-Movies.
In Luxembourg hat sich nun – ungleich bescheidener – Alexandre Desplat an eine Kammeroper in drei Akten gewagt. Desplat ist hochdekoriert, für seine musikalischen Soundtracks hat er unter anderem bereits zwei Oscars kassiert – für die grandiosen Filme «Grand Budapest Hotel» und «Shape of Water» –, beides äußerst gewitzte, virtuos gemachte Partituren, die souverän auf unterschiedlichsten Stil-Klaviaturen spielen.
Für die Kammeroper «En Silence» wählt Desplat nun in jeder Hinsicht reduzierte Mittel. Das von ihm selbst und Solrey (alias Dominique Lemonnier) verfasste Libretto basiert auf einer Novelle des japanischen Nobelpreisträgers Yasunari Kawabata und erzählt von einem ...
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Opernwelt April 2019
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Regine Müller
Ja, die sieben Zwerge sind wirklich traurig, als das ihnen zugelaufene Schneewittchen scheintot in seinem Sarg aus Eiskristallen liegt. Doch einer der sieben Winzlinge ist einfach nur ehrlich, wenn er sich fragt: «Wer putzt denn jetzt?» In gendergerechten Zeiten gilt es schließlich, das Verhalten jener Männer-WG zu hinterfragen, deren Bewohner wie Wagners...
Ein Ganzes sollte dieser «Karl V.» werden, geschaffen aus der Sehnsucht, dass alles noch mal ganz und heil werde. Als Ernst Křenek 1929 auf Wunsch des Wiener Staatsoperndirektors Clemens Krauss mit der Konzeption begann, hatte der Nationalsozialismus längst Sympathisanten auch in Österreich. Ein Remedium gegen den Nationalismus sah Křenek in der übernationalen...
Bei einem Souper in einem Pariser Salon hatte Gioachino Rossini eine für ihre fragwürdigen Sangeskünste bekannte Dame zur Tischnachbarin. Ihrem in dieser Hinsicht zweifelhaften Ruf zum Trotz wurde sie um eine Gesangsspende gebeten. Nach einigem Zieren kündigte sie eine Arie von Rossini an; davor flüsterte sie dem Komponisten zu: «Ich habe solche Angst!» Rossini:...
