Ein Sonderling, der alle bannt
Es ist ja gar keine Nebenstraße, auf die der Lied-Wundermann hier abbiegt. Den Orfeo hat Christian Gerhaher bereits vor einiger Zeit gesungen, am Ende seines Studiums. Und man wäre zu gern dabei gewesen, als er sich mit einigen Kumpanen in der Heimatstadt an Monteverdi machte und Straubing einen «Sommerspaß» bescherte, wie Gerhaher das heute nennt. Eine heiße Liebe ist da aufgeflammt. «Wenn es nur eine Oper geben dürfte, dann die», sagt der Bariton.
Das Verwunderliche ist also: Warum hat er das Stück nicht öfter gesungen als lediglich 2009 in Frankfurt und nun, zu den Münchner Opernfestspielen, im Prinzregententheater?
An der Isar hat Gerhaher wie mittlerweile überall Carte blanche. Nur deshalb hat sich Intendant Nikolaus Bachler offenbar für den von ihm wenig geliebten Barock erwärmt. Ein Wiedersehen in mehrfacher Hinsicht wurde da beschert. Mit der Stilepoche, dann mit Dirigent Ivor Bolton (der unter Peter Jonas der viel beschäftigte Monteverdi-Händel-Spezialist war) und mit dem Stück, das Achim Freyer vor fünfzehn Jahren am selben Ort als ein zu Tränen rührendes Totenspiel in einer schwarzen sizilianischen Bar deutete.
Auch bei David Bösch ist alles grau bis schwarz. Obwohl ...
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Opernwelt September/Oktober 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 24
von Markus Thiel
Es sind so viele Emotionen an diesem Abend», sagt Chefdirigent François-Xavier Roth, und sein Blick nach einer beeindruckend bedrückenden Interpretation von Anton Bruckners Achter Sinfonie sagt alles. Da hat ein Orchester gewissermaßen sein eigenes Requiem gespielt. «Mysterium» – «Apokalyptische» lauten die Beinamen des gewaltigen sinfonischen Werks. An diesem...
So gehört sich’s. Der Tenor unserer Tage singt nicht mehr aus Notenblättern oder Klavierauszügen, sondern er hat sie in seinem Tablet gespeichert. Er blättert nicht mehr, sondern er klickt. Er braucht sein Gepäck nicht unnötig zu belasten. Wenn er aufs Podium geht, liegt kein Papier auf seinem Notenpult, sondern ein kleiner, flacher Lesebildschirm. Michael Spyres,...
Waschküche. Keine zehn Meter Sicht. Manchmal verschwindet alles in schlieriger Nebelwatte. Die schmucken Häuser, der schlanke Betonturm der Église, die Talstationen der Lifte. Wenn die Wolken tief hängen, existiert Verbier nur in der Vorstellung. Wie die schneegedeckten Gipfel der umliegenden Viertausender, die an einem klaren Tag zum Greifen nahe scheinen. Gegen...
