Der schöne Schein

Verdi: Aida Paris / Opéra Bastille

Opernwelt - Logo

Das Gold glänzt, doch sein Glanz ist trügerisch. Hinter dem schönen Schein verbergen sich unselige Machtspiele: die Heuchelei der Kirche, die Selbstherrlichkeit des Militärs, die unzählige Opfer fordert. Damit die Fassade schön strahlt, wienern Reinigungskräfte mit Wischmob, Staubwedel und Putztuch an Tempel und Palast herum. Immer, wenn sich der Vulkantempel dreht und in den Palast verwandelt (und vice versa), lassen Scheinwerfer die Fassade gleißen, dass sich mancher im Publikum in der Opéra Bastille die Hand über die schmerzenden Augen legt.

Man sieht sich zum Wegschauen gezwungen: Die Pracht der Macht hat Olivier Py in seiner «Aida»-Inszenierung zu einer im Wortsinn einleuchtenden Regie-Metapher gesteigert.  

Eine Anklage gegen den Zynismus der Macht und ein Plädoyer für dessen Opfer legt der frisch inthronisierte Leiter des Theaterfestivals in Avignon vor. Unterdrückte Freiheitskämpfe, Nationalismus, Kolonialismus, Fremdenhass, all das evoziert die Inszenierung in eindringlichen Bildern. Während des Vorspiels, vor der Silhouette einer zerschossenen Stadt, schwenkt ein Freiheitskämpfer die italienische Fahne und wird von Soldaten brutal zusammengeknüppelt. Der Bote, der dem ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2013
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Mathias Nofze

Weitere Beiträge
Jenseits der Interpretation?

Das Theater neu erfinden, mindestens! Irgendwie will Clara Hinterberger alles. Und zwar hier. Und jetzt. Irgendwie will sie aber auch gar nichts. Bei ihr gibt es alles gleichzeitig, gleichwertig, neben- und durcheinander. Anspruch und Attitüde. Chuzpe und Fatalismus. Hintersinn und Hilflosigkeit. Kunst? Leben? Liebe? Hass? Tod? Alles Material. Bausteine....

Spurensuche

Für den imaginären, idealen Solisten waren die Arien nie gedacht. Barocke Oper, das hieß vor allem Maßanfertigung – egal, ob das durch den dramatischen Augenblick gerade motiviert war oder nicht. Eventuelle Schwächen der Stars wurden gekonnt kaschiert: War die Stimme zu wenig umfangreich, wurde mehr Zierrat eingeflochten. Und war die Kollegin in den Wiederaufnahmen...

Kein Wunder

Der Mann ist nicht totzukriegen. Eigentlich sollte nur seine Stimme aus dem Sarg ins Diesseits hinübertönen, aber in Yona Kims «Parsifal»-Inszenierung am Staatstheater Braunschweig ist Titurel quicklebendig. Festen Schrittes folgt er seinem wundgeplagten Sohn. Er verpasst Amfortas sogar eine Ohrfeige, als der sich ziert, das Ritual der Gralsenthüllung zu...