Reden, Schwätzen, Stille
«The rest is silence.» Verstummen, Schweigen, Stille – so lässt sich Hamlets finales Wort bei Shakespeare übersetzen. Auch als «das Nichts». Der Barde als Vorreiter Becketts. Doch Hamlet ist nicht Hamm, schon gar nicht in diesem von Anno Schreier und seinem Librettisten Thomas Jonigk auf sechs Personen reduzierten und – Prinzenrolle vorwärts – heutig aufgezwirbelten Palimpsest. Wobei dieses auch Anregungen aus François de Belleforests «Histoires tragiques» und den «Gesta Danorum» des Saxo Grammaticus verarbeitet.
Das Rätselmultistück – wie der Kritiker Gerhard Stadelmaier Shakespeares Schauspiel mal genannt hat, weil es sechs verschiedene Dramen zusammenzwinge – konzentriert sich bei Schreier und Jonigk auf eine sehr bürgerliche Königsfamilie, aus deren Unzuchtschlangengrube es offenbar keinen Ausweg gibt. Ganz im Sinne des Aphorismus’ Heimito von Doderers: «Wer sich in Familie begibt, kommt darin um.»
Hamlet selbst wirkt in Gestalt von Andrè Schuen, als habe Antonio Banderas sich in eine böse Family-Soap verirrt. Im Übrigen stirbt der Prinz hier nicht am vergifteten Rapier von Ophelias Bruder. Sondern er wird von Onkel Claudius gemeuchelt, was so gut in den Soap-Rahmen passt wie ...
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Opernwelt November 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 22
von Gerhard Persché
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