Nobel, nobel
In der Premierenpause gibt der Maestro, leicht verschwitzt, den glühenden «Arabella»-Fan. Der «zweite ‹Rosenkavalier›» gefalle ihm fast noch besser als das Original, erzählt er der ORF-Moderatorin hinter den Kulissen. «Mein Lieblingsstück von Strauss.
» Klar, in dieser letzten, 1933 an der Dresdner Semperoper uraufgeführten Gemeinschaftsarbeit von Strauss und Hofmannsthal kommt zusammen, was Christian Thielemann besonders liegt: die große symphonische Geste und der Geist der Operette, schwebendes Melos und melancholisches Walzerfieber, liedhafte Vokallinien, effektpralle Ensembles und fein ausgearbeitete Parlando-Kostbarkeiten. Auch der retrospektive, ins Wien der 1860er-Jahre führende Sog dieser «lyrischen Komödie» scheint bei ihm Wunder zu wirken. Zumal, wenn er sie mit dem Strauss-Orchester, sprich: mit «seinen» Dresdnern aufführen kann.
Am zweiten «Arabella»-Abend jedenfalls, zum Abschluss der Salzburger Osterfestspiele, die man vor einem Jahr von den nach Baden-Baden abgewanderten Berliner Philharmonikern übernahm, zauberte Thielemann mit der Staatskapelle, dass es eine Wonne war. Hier führte ein Klangmagier ostentativ vor, was eine «Wunderharfe» ist: jede Phrase ein Gedicht, ...
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Opernwelt Juni 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Albrecht Thiemann
Am 2. Februar 1990 mittags saßen wir im Büro von Angelo Gobbato, dem Direktor der Capetown Opera, um ihn für «Opernwelt» zu interviewen. Und hörten Radio. Denn F. W. de Klerk, der damalige Staatspräsident Südafrikas, hielt jene historische Rede, in der er die Freilassung Nelson Mandelas, die Aufhebung des Verbots des Afrikanischen Nationalkongresses und das Ende...
Wie soll man heute die fern gerückte Geschichte der Medea erzählen? Kindsmord durch die eigene Mutter findet heutzutage überwiegend in prekärem Milieu statt, als Ursachen für die Kindesmisshandlung mit Todesfolge werden zumeist Verwahrlosung und Überforderung ausgemacht. Also eher nicht jene rasende Rache aus Eifersucht, von der der antike Medea-Mythos erzählt....
Vorsicht, superaktuelle Inszenierung! – ein taubenblauer PKW-Oldie thront zu Beginn im Vorgarten des bescheidenen Landhauses, als trügerische Idylle, kleinbürgerliches Sehnsuchtsobjekt für die blendend gelaunte Familie Trulove. Der erste Akt von Strawinskys «The Rake’s Progress» spielt sich in der Leipziger Inszenierung Damiano Michielettos mitten in diesem...
