Herzenssachen, surreal
Es war eine Herzensangelegenheit. Als eine der letzten Inszenierungen in seiner mit dieser Spielzeit zu Ende gehenden Ära als Intendant der elsässischen Rheinoper hat Nicholas Snowman die Neuproduktion von Massenets «Werther» verantwortet – «ein Werk, das ich in mehrfacher Hinsicht liebe», wie er im Programmheft schreibt.
Voilà, es ist ein schönes, nein, ein famoses Abschiedsgeschenk geworden – große französische Oper, oder um es korrekt mit des Komponisten Gattungsbezeichnung zu sagen: ein ergreifendes drame lyrique dank einer Inszenierung, die Seelenkonflikte in Form surrealer Seelenlandschaften in ihren Mittelpunkt stellt.
Das ist das Verdienst eines Regieteams, das vor zweieinhalb Jahren in Straßburg mit Jacques Offenbachs «La belle Hélène» reüssierte, als es die Belle-Epoque-Parodie in ein Filmset des frühen 20. Jahrhunderts verlegte. Dieses Mal sind es der schwärmerische Gestus der Goethe’schen Vorlage und die Brüche in dessen Fortsetzung durch Massenets Musik, die Regisseurin Mariame Clément zu einer überwältigend emotionalen Sicht auf den «Werther»-Stoff gereicht. In den fantastischen Bildern und authentischen Kostümen Julia Hansens erwächst eine Szenerie, in der die ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Ihre Treue wurde der «Nymphe» bisher kaum gelohnt: Obwohl die 1732 zur Eröffnung des neuen Theaters von Verona komponierte «Fida ninfa» lange Zeit die einzige in einer modernen Edition zugängliche Vivaldi-Oper war, hatte das keine ernst zu nehmende Gesamteinspielung zur Folge. Selbst die Chance der hochkarätig besetzten Produktion bei den Potsdamer Musikfestspielen...
Als Greta Garbo eine Rolle in Sack und Asche zu spielen hatte, verlangte sie, unter den Lumpen seidene Wäsche tragen zu dürfen. Auf den Hinweis, dass keiner dies sehen würde, erwiderte sie: «Aber ich werde mich dann wohler fühlen.» Ob sich die bulgarische Sopranistin Krassimira Stoyanova wohlgefühlt hat in ihrem dunkel-düster-schäbigen Habit, das sie bei ihrem...
Wolfgang Rihm griff bei seinen Opernstoffen seit jeher zu großer Literatur – Georg Büchner («Jakob Lenz»), Heiner Müller («Hamletmaschine»), Sophokles/Hölderlin («Oedipus») und Antonin Artaud («Die Eroberung von Mexiko») dienten als Textlieferanten. Im kommenden September fasst das Theater Basel drei seiner kürzeren Arbeiten – «Aria/ Ariadne» (nach Nietzsche), «Das...
