Abstecher nach Florenz
Das entscheidende Kriterium für die Repertoiretauglichkeit einer Barockoper sei nicht die Musik, sondern die Handlung, erklärte René Jacobs einmal. Während nämlich die Musik bei vielen Werken von hoher Qualität sei, besäßen nur wenige Libretti genug dramatische Stringenz, um heute noch auf der Bühne zu überzeugen. Wer einmal versucht hat, sich die Inhaltsangabe einer selten gespielten Händel-Oper zu merken, wird Jacobs da vermutlich Recht geben.
Auch im Falle Antonio Vivaldis, dessen musikdramatisches Schaffen derzeit durch die Edition des Labels Naive großflächig erschlossen wird, dürfte weniger die Musik als vielmehr die theatralische Qualität über die Überlebensfähigkeit des jeweiligen Werks entscheiden.
Die jetzt als neunte Folge der angestrebten Opern-Gesamteinspielung vorgelegte 1729 entstandene «Atenaide» dürfte in diesem Zusammenhang eher schlechte Karten haben. Denn im Gegensatz zu den Werken für die venezianischen Opernhäuser, bei denen der überaus theaterbewusste Vivaldi an der Auswahl der Stücke zumindest wesentlichen Anteil hatte, musste er sich für die Auftragsarbeit des Florentiner Teatro della Pergola dem Wunsch des dortigen Impresarios fügen und einen schon ...
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m Schluss der neunzigminütigen Aufführung stolperte Hans Neuenfels wie ein großes Kind auf die Bühne des Basler Theaters: als wollte und könnte er die Begeisterung des Publikums nicht recht begreifen. Das Ritual, das sonst allerorten die Premieren beherrscht – Beifall für die Solisten und den Dirigenten, Buhs für das Regieteam – war an diesem Abend außer Kraft...
Es war ein leiser Abschied. Nicht einmal Verehrer wussten davon. Ende 2003 zog sich Julia Varady vom Podium zurück. Auf der Opernbühne war sie schon Jahre zuvor nicht mehr aufgetreten. Nach vierzig Jahren öffentlichen Singens wollte sie sich aufs Unterrichten konzentrieren. In Frankreich warfen ihr die Zeitungen Blumen hinterher, in Deutschlands Musikszene wurde...
Es ist schon verwunderlich, dass über Gottlob Frick, den König der deutschen Bassisten der Nachkriegszeit, bis dato zwar eine Fülle von Einzeldarstellungen existierten, aber keine Biografie zur Verfügung stand. Jetzt allerdings ist dieser Mangel behoben durch den im Stieglitz-Verlag erschienenen Titel «Der Sängerfürst» von Klaus Günther, der zum diesjährigen...
