Gefühlsrausch

Kino und Tanz spielen mit Emotionen. Über Allianzen und Rivalitäten der beiden Künste sprechen Ursula von Keitz und Ralf Stabel mit Dorion Weickmann

Tanz - Logo

Die Akademie der Künste im Berliner Tiergarten hat wenig architektonisches Erregungspotenzial zu bieten: ein zweckdienlicher Bau mit großen Fenstern mitten im Grünen, der gleichwohl Kultstatus genießt. Mithin der richtige Ort, um Ursula von Keitz und Ralf Stabel zu treffen: Sie leitet das Potsdamer Filmmuseum, er die Staatliche Ballettschule Berlin – beide sind also mit Kultphänomenen befasst und wissen auch um deren gefühlsökonomische Effekte.

Deshalb fand sich Ralf Stabel unlängst als Vortragender auf einer Konferenz des Potsdamer Einstein-forums wieder, die Ursula von Keitz mitorganisiert – Thema: «Emotion im Kino». Was genau hat der Tanz da beizutragen?  

Wenn Sie Film, Tanz und Emotion zusammendenken – was fällt Ihnen da als prägendes Erlebnis ein? 

Ursula von Keitz: Für mich gibt es da einen Schlüsselfilm, und das ist Friedrich Wilhelm Murnaus «Der Gang in die Nacht» von 1921. Er zeigt uns eine junge Tingeltangel-Tänzerin auf der Bühne und ihre Inter-aktion mit dem Publikum. Das geht, weil die Kamera Gesichter in Nahaufnahmen einfangen oder durch ein Loch im Bühnenvorhang spähen kann. Andererseits steht diesem öffentlichen Show-Tanz eine spätere, private Filmszene ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Februar 2020
Rubrik: Ideen, Seite 54
von Dorion Weickmann

Weitere Beiträge
Abschied: Sighilt Pahl

Als «wunderschöne, starke, freie Frau» hat sich Sighilt Pahl dem Gedächtnis ihrer einstigen Kollegin Katalin Lörinc eingeprägt. Und mit «großer Trauer» nimmt Mats Ek nicht nur als künstlerischer Partner ihren Tod zur Kenntnis: «Unsere Erinnerung an ihre lebhafte, herzlich-innige Persönlichkeit leuchtet vor diesem dunklen Hintergrund umso intensiver.» Als Tänzerin...

Biennale Tanzausbildung: City of dances

Gleich zwei wichtige Veranstaltungsreihen zur selben Zeit, das macht Hamburg tatsächlich eine Woche lang zur «City of Dances». Die eine bündelt unter dem Titel «FOKUS TANZ #6» Beispielhaftes namhafter Koryphäen wie Deborah Hay und Claire Cunningham. Die andere lässt als «7. Biennale Tanzausbildung» auf Kampnagel eher künftige Aktivitäten ahnen: Knapp 140...

Kopenhagen: Gregory Dean «Blixen»

Mit «Cinderella» gab Gregory Dean, seit 2013 Principal Dancer beim Königlich Dänischen Ballett, sein Choreografie-Debüt in Kopenhagen. Sensationell war das nicht, und insofern bleibt es erstaunlich, dass man ihn im Anschluss daran sogleich auf Leben und Werk der großen dänischen Schriftstellerin Karen Blixen angesetzt hat. Deren Bücher sind subtil, dramatisch,...