Enrico Ticconi; Foto: Leon Eixenberger

Freiburg: «Rasp your soul»

Kat Válastur «Rasp your soul»

Tanz - Logo

Verletze deine Seele. Schwer. Beleidige sie. Bis aufs Blut. Wie auch immer man den Titel der jüngsten Arbeit der griechischstämmigen Choreografin übersetzen will – in Kat Válasturs Worten handelt es sich um ein Solo für einen «Humanoiden mit sensibler Haut». Diesen setzt sie auf der Bühne aus wie eine gewaltig klaffende Lücke zwischen Mensch und Kunst. Ein einsamer Solist, Enrico Ticconi mit angeklebtem Mikro an der Wange, kläfft in den vorsichtig dämmernden Raum hinein. Ein Hund. Ein Wolf.

Ein Löwe zuletzt, der seine schlanke Tänzerpranke hebt und den einsamen LED-Scheinwerfer über sich brüllend zum Schweigen bringt. 

Enrico Ticconi ist der zornige Gebieter über das kleine Reich, das ihm der Konzeptkünstler und Olafur-Eliasson-Schüler Leon Eixenberger zubilligt, eine Matte aus Teppichfliesen, modern nur in den 1970er-Jahren, ein Tanzteppich aus fahlbunten Puzzleteilen. Darauf liegen ein paar gekochte Bambusstöcke, an denen Ticconi kauen- wird wie ein Primat, ein Mensch, der sich seines Menschseins entkleidet und nichts findet als die Gefangenschaft der Bühne – zur Uraufführung war es das HAU3 in Berlin –, um angestarrt zu werden als einer, der im eleganten Wiegeschritt sein ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Februar 2018
Rubrik: Kalender und Kritik, Seite 40
von Arnd Wesemann

Weitere Beiträge
Manuel Legris

Zwei Tage nach der Premiere seiner umjubelten Einstudierung des Nurejew‘schen «Don Quixote» in Hamburg wurde es in Wien offiziell: Manuel Legris (53) wird, wie Intendant Dominique Meyer, 2020 die Wiener Staatsoper verlassen. Meyer wird von Bogdan Roscic abgelöst, Legris geht aus freien Stücken. Wer ihm nachfolgt, wird voraussichtlich wie gewohnt der neue Opernchef...

Reims: «The Eternal return»

Clément Layes hat Tanz studiert, dazu Philosophie, und eine Zirkusschule hat er auch besucht (tanz 4/16). Natürlich kombiniert so einer das Virtuose mit dem Konzeptuellen, damit etwas spielerisch Neues entsteht. Deshalb füllen sich die Sophiensäle in Berlin bis auf den letzten Platz, obwohl der Titel seiner jüngsten Premiere deutlich warnt vor der ewigen Wiederkehr...

Newcomer, Personalien, Snippets Februar 2018

Newcomer: Nadav Zelner

Seine Premiere bei Gauthier Dance heißt «Bullshit» und ist komplett in Pink ausgestattet – was schon zeigt, wie übermütig dieser Paradiesvogel aus Israel arbeitet. Nadav Zelner tanzte ein Jahr in der Kibbutz Contemporary Dance Company, bevor er sich selbstständig machte und von Yair Vardi gefördert wurde, dem Direktor des Suzanne Dellal...