Augen auf!

Die Neuköllner Oper betreibt in Berlin eine Werkstatt neuen zeitgenössischen Musiktheaters zwischen Pop und Avantgarde, Multikulti und Regietheater

Theater heute - Logo

Hundert Millionen Euro, immerhin ein Drittel des hauptstädtischen Kulturbudgets, wandert in Berlin in die drei staatseigenen Opernhäuser. Davon wird ein beträchtlicher Batzen vergeudet für ewige Toscas sowie diverse Dirigenten-, Regisseurs-, Intendanten-Eitelkeiten. Denn ein jeder macht am liebsten Oper für sich, anstatt in konzertierter Aktion Oper für die Stadt. Das führt zu skandalösem Leerstand: Unterm Strich nämlich bleibt eins der drei Häuser ohne Publikum.

Prekäre Lage! 
 

Die dafür Verantwortlichen sollten schleunigst einen Blick riskieren auf Berlins vierten Musiktheaterbetrieb: die Neuköllner Oper. Seriöse Kritiker-Kollegen meinen, dieses überrumpelnd gewitzte, dennoch mit heiligem Ernst die Gegenwart beim Schopfe packende Hinterhofetablissement liefere die gefühlte Hälfte der Gesamtkreativität des Hauptstadt-Musiktheaters.
 

Eigentlich eine Sensation, dass jeder, der Berlins Opernbetrieb kennt, das kommunikative Neuköllner Autonomenhaus auf Augenhöhe be­urteilt mit dem pompösen Rest. Woran das liegt? An einer eher selten auffindbaren Art Autoren- und Uraufführungstheater, das so uneitel wie ungeniert «U» und «E» in eins bringt. Und: Weil mit Bodenhaftung und Schmiss ganz ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute April 2010
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Reinhard Wengierek

Vergriffen
Weitere Beiträge
In der Laborkrabbelkiste

Vor ziemlich genau zehn Jahren eröffnete Thomas Ostermeier seine Intendanz der Berliner Schaubühne mit einem Stück von Lars Norén: «Personenkreis 3.1» spielte auf einem Drogenumschlagplatz und zeichnete die Ausgeschlossenen der Gesellschaft, das Prekariat (ein seinerzeit noch unbekanntes Wort), mit plaka­tivem «Seht her»-Gestus ans Bürgertum des oberen...

Von Lügen und Fantasie

Ein Junge, Nick, macht sich im Internet zu einem Mädchen. Ein anderer Junge, Adam, verliebt sich in das Mädchen, will es sehen, treffen, anfassen. Ein alltäglicher Plot aus der virtuellen Welt von «World of Warcraft» oder «Second Life». Die nur so wimmelt von Avataren, erfundenen Identitäten, erträumten Biografien. Von Lüge und Gegenlüge. Von Träumen und...

Alte Meister

Das Programmheft gibt sich martialisch: auf dem Umschlag eine Gruppe am Boden hingelagerter Nato-Kämpfer mit schwarzen Tarnmas­ken vor den Bergen Afghanistans, darunter knallig ohne den bestimmten Artikel der Stücktitel in Großbuchstaben: SOLDATEN. Auch die Pressestelle der Volksbühne fährt schwerste zeitkritische Kaliber auf: «Die westliche Kultur beglückt im...