Mal was ganz Verrücktes
Anfang der siebziger Jahre bestand das französische Paradies noch aus Fleisch. Marco Ferreris Skandalfilm «Das große Fressen» (1973) legt davon eindrucksvoll Zeugnis ab: In einer verlassenen Vorstadtvilla erschaffen vier Männer in den besten Jahren, dargestellt von den Stars des franco-italienischen Kinos, ein Schlaraffenland aus Nacktem und Gegrilltem. Ein Lieferant bringt frisch geschlachtetes Wild und Geflügel, Schweinehälften und Charolais-Rinder werden durch den winterlichen Garten gewuchtet, Gänse und Karpfen zur letzten Mast geleitet.
Ugo (Tognazzi), Michel (Piccoli), Philippe (Noiret) und Marcello (Mastroianni) kochen und futtern sich durch einen feudalen Reigen saftiger Braten, sämiger Ragouts und schwerer Pasteten, und als die Nierchen bourguignon nicht mehr genügen, laden sie noch drei Huren dazu, deren sekundäre Geschlechtsteile wie selbstverständlich das Sortiment der Keulen und Koteletts erweitern.
Doch das Fleisch, nicht zuletzt das eigene, ist schwach und vergänglich. Wer im Paradies bleiben will, muss durch die Hölle gehen: Die schwere Kost lässt den Fernsehproduzenten Michel schon nach kurzer Zeit mit heftigen Blähungen kämpfen. Der sexuell unersättliche ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Natürlich führt der Weg nach Potsdam an diesem Abend über Berlin. Wer was zu sagen haben will hinterher, hat als Wegzehrung natürlich jene Fassung von Henrik Ibsens unverwüstlicher «Hedda Gabler» dabei, die Thomas Ostermeier in dieser Spielzeit bereits für die «Schaubühne» fertigte; und die zum Theatertreffen eingeladen wurde. Weil aber das so ist und jeder um...
TH In diesem Monat beginnt die achte Biennale europäischer Stücke, sechsmal hat sie in Bonn stattgefunden, jetzt zum zweiten Mal in Wiesbaden. Wie ist es denn gelungen, das Festival in ein anderes Bundesland und eine andere Stadt zu transportieren?
Manfred Beilharz Das war in der Tat nicht ganz einfach. Tankred Dorst und ich, wir waren immer der Ansicht, das...
Politisch korrekt ist derzeit gar nichts im Coburger Landestheater: Auf der großen Bühne werden unter dem Deckmäntelchen der leichten Sommer-Krimi-Komödie gesellschaftliche Vor-Verurteiler gleich reihenweise zum «Henkersmahl» in trügerischer häuslicher Idylle geladen und auf Umwegen zu Tomatenmus verarbeitet; im Reitstadel wiederum, der kleinen Nebenspielstätte,...
