Die zweite Geburt

Von einem höheren (Selbst-)Sein träumten sowohl René Pollesch in «Von einem, der auszog, weil er sich die Miete nicht mehr leisten konnte» an der Berliner Volksbühne als auch Iwan Wyrypajew in «Unerträglich lange Umarmung» am Deutschen Theater

Theater heute - Logo

Was passiert eigentlich, wenn das Universum zu einem spricht? Handelt es sich dabei um «eine Art farbiges Muster, als würde ein fremdartiges Bewusstsein Kontakt aufnehmen», verknüpft mit einer sanften Frauenstimme, die der menschlichen Sprache durchaus mächtig ist? Ein «blauer Punkt im Inneren», mit dem freundliche Gespräche möglich sind, in denen das Universum über so interessante Dinge informiert wie die Bedeutung des Impulses, die Bedeutungslosigkeit von Moral oder auch die Handynummer des richtigen Liebespartners?
Als hätten hundert beschwipste Disney-Autoren das Drehbuch ge

schrieben, tritt das Universum in Iwan Wyrypajews Auftragsstück für das Deutsche Theater Berlin auch noch als Kitsch-Delfin oder multipler Orgasmus auf, oder eben als die titelgebende «unerträglich lange Um­armung»: «Wie als würden Millionen lebende Zellen, die da ‹Ich liebe dich, Charlie› heißen, mit anderen Millionen lebenden Zellen, die ‹Verzeih Emmy, ich liebe meine Frau Monika› heißen, zusammenprasseln.» Die kompromisslose Süße, mit der der 1974 in Irkutsk geborene Theatermacher die Metaphysik ins Leben seiner vier Protagonisten treten lässt, mag mitunter etwas überzuckert erscheinen – doch sie ist nicht ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Mai 2015
Rubrik: Aufführungen, Seite 20
von Eva Behrendt

Weitere Beiträge
Auf der Suche nach dem Wurf

Ein riesiger Schacht hat sie geboren. Unter Trommelschlägen. Aus dem kleinen Lichtfenster am fernen Ende trollen sie heran, die Hexen, die Soldaten, ungeschieden, «foul is fair and fair is foul». Leiber über Leiber, Atem zwischen Atmen, Hecheln, Röcheln. Ein Körperknäuel rollt Tilmann Köhler an den Anfang seiner «Macbeth»-Inszenierung am Deutschen Theater Berlin....

Brennpunkt Dessau: Glaube + Heimat

André Bücker neigt weder als Regisseur noch als Noch-Intendant des Anhaltischen Theaters Dessau zu übertriebener Raffinesse und subtilen Zwischentönen. Als im vergangenen Jahr der Konflikt mit dem Land Sachsen-Anhalt, das seine Theaterzuwendungen unter dem machtbewussten Kultusminister Stephan Dorgerloh systematisch reduziert, eskalierte, antwortete Bücker mit...

Premieren im Mai Suchlauf On tour

Aachen, Grenzlandtheater
29. Seidler, The King’s Speech
R. Uwe Brandt

Aachen, Theater

7. Lotz, Der große Marsch
R. Thorsten Bihegue
22. Becker, Alles für Euch
R. Marc Becker

Aalen, Theater der Stadt
10. McGee, Höhenrauschen
R. Ramona Suresh
17. nach Schiller, Schiller im Park
R. Petra Jenni

Altenburg/Gera, TPT
10. Kressin und Kröger, Barbarossa ausgeKYFFt
R. Bernhard Stengele

Aug...