Zurück auf Anfang

Er war ein Star im Theater der Weimarer Republik, Erfinder des politischen Dokumentartheaters und der Simultanbühne: Erwin Piscator. Mit den Nazis wollte er nichts zu tun haben, er ging, erst nach Russland, dann nach Amerika, wo er zum zweiten Mal Karriere machte. Sollte er zurückkehren ins Nachkriegsdeutschland? Man schien ihn nicht zu wollen. 1951 vertrieb ihn McCarthys Kommunistenhatz aus den USA. Zurück in die Heimat – der Beginn eines mühsamen Weges durch die Provinz, der elf Jahre dauern sollte.

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Sechs Jahre nach dem Ende des Krieges waren Fritz Kortner, Bertolt Brecht, Wolfgang Langhoff, Berthold Viertel, Ernst Deutsch, Carl Zuckmayer, die bekanntesten von denen, die 1933 ins Exil gegangen waren, längst wieder im Land. Die deutschen Theater spielten volles Programm, viele noch auf Behelfsbühnen – aber der Wiederaufbau ihrer zerstörten Häuser kam in Gang. Neue Karrieren wurden begründet, alte bestätigt. Im Sommer 1951 war Erwin Piscator noch immer in Amerika.

In dem Aufruf zur Rückkehr, den Gustav von Wangenheim 1946 an die Exilanten gerichtet hatte, war sein Name nicht genannt. Der Verdruss war ein Schmerz. Dann schrieb ihm Brecht, als er wieder in Berlin war, dringliche Briefe. «Es ist unbedingt nötig, daß Du kommst und nicht zu spät. Du würdest wirklich mit Aplomb empfangen werden. Man braucht Dich ganz dringend …» Er schilderte ihm die Gunst der Stunde: «Der Zeitpunkt ist gut, es sollte nicht viel später sein, jetzt ist alles noch in Fluß und seine Richtung wird bestimmt werden durch die vorhandenen Potenzen.» 

Friedrich Wolf hatte ihm Aussicht gemacht, die Volksbühne in Berlin, das alte Haus seines eigenen Aufstiegs, zu übernehmen. Wolfgang Langhoff, Intendant des ...

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Theater heute Dezember 2005
Rubrik: Serie Theatergeschichte, Seite 28
von Günther Rühle

Vergriffen
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