Christian Kuchenbuch und Kathrin Wehlisch; Foto: Julian Röder

Berlin: Vorsicht, Zahnarzt

Alexander Eisenach «Die Entführung Europas» (U)

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Wer immer schon den Verdacht hatte, dass der späte, knurrig-apokalyptische Heiner Müller eigentlich wie ein Whisky-gegerbter Privatdetektiv aus der Schwarzen Serie klingt, darf sich endlich bestätigt fühlen. In Alexander Eisenachs «Die Entführung Europas» dient die Genre-Folie des Crime Noir und eine dürre Rahmenhandlung um eine verschwundene Schöne vor allem zur Aneinanderreihung von Zitaten aus Müllers tragischer Geschichtsphilosophie, angereichert um Joseph Conrads «Herz der Finsternis» und Walter Benjamins «Engel der Geschichte».

Ein finsterer Zahnarzt und Chef eines kriminellen Syndikats, das heimlich den Kongo ausbeutet, hat seine attraktive Gattin Europa verschwinden lassen, deren humanistisches Lächeln seine Geschäfte aufgehübscht hatte, dabei aber irgendwann zu viel von seinen kapitalistischen Schweinereien wusste. Ihre Schwester Grace beauftragt deshalb ihre erloschene Flamme, den Privatschnüffler Max Messer (ein frühes Heiner-Müller-Pseudonym!), nach ihr zu suchen. Erschwerend kommt allerdings hinzu, dass Messer wegen Auftragsflaute dazu übergegangen ist, selbst Krimis zu schreiben und ständig seine Verlegerin Margaret als lautstarkes politisches Gewissen im Schlepptau ...

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Theater heute Dezember 2017
Rubrik: Chronik, Seite 57
von Franz Wille

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