Arbeiterin für eine unzynische Welt
Als ich Eva kurz vor Weihnachten das letzte Mal in der Klinik besucht habe, habe ich kurz nach Verlassen des Krankenzimmers den Impuls gespürt umzudrehen, zurückzugehen und mich zu bedanken. Ich habe diesen Impuls unterdrückt, weil er mir etwas kitschig erschien und, angesichts der zehrenden Krankheit, als ein falsches Signal.
Nun, wo es notwendig geworden ist, Abschied zu nehmen, möchte ich das nachholen, verspätet zwar, dafür aber vielleicht im Sinne, im Namen anderer junger Theaterleute: Sabine Kohlstedt, Marcel Luxinger, Vivien Mahler, Patrick Wengenroth, Adelheid Walther, Christian Holtzhauer, Barbara-David Brüesch, Rainer Frank, Ans Brockfeldt, Gesine Danckwart, Christiane Pohle, Marcel Klett, Claudia Wiedemer, Stefan Düe, Sebastian Weber, Simone Blattner, Stephan Thiel, Victor Calero, Anne Retzlaff und noch viele mehr...
Liebe Eva!
Für mich bist du immer ein Vogel gewesen – in vielen Hinsichten und liebevoll gemeint. Du warst immer zart, dann immer zarter. Aber auch zäh, ein Zugvogel. Ich denke an deine aufmerksamen Augen, das Zwinkern im unruhig sich wendenden Kopf, an etwas Verschmitztes, in der Art wie das Hüpfen der Finken, Spatzen und Meisen. Ich denke an dein ...
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Vielleicht tut es Amerika gut, die angesichts Irak-Krieg und Global Warming gesunkene Moral ein bisschen mit verlässlich rühriger Musical-Unterhaltung aufzubessern. Erst recht, wenn diese in verdaulichen Portionen und mit ein bisschen ernstgemeinter Zeitkritik daherkommt. Die Kritiker in Los Angeles und New York jedenfalls sind sich einig: Wenn es in diesem...
Langsam, fast vorsichtig nähert sich Athene. Über einen Steg zwischen den Zuschauern zur Bühne, wo ein junger Mann sitzt, auf dem Boden, und wartet: Orest. In der Nähe liegen schlafend – oder tot? – weitere Personen, während er ruhig der Göttin seine Geschichte schildert: vom Vater Agamemnon, der auf göttliches Geheiß die Tochter Iphigenie opferte; der wiederum...
Vorsichtig bahnen sich drei Kerzen ihren Weg durch ein Tableau aus schemenhaften Gestalten. Stimmen erklingen. Irgendwo in einem dunklen Zimmer haben Tony, Thomas und Christian Buddenbrook das Stammbuch ihrer Familie entdeckt, deren große Zeit längst im dämmrigen Zwielicht der Geschichte in Vergessenheit geraten ist. In Zeiten der Angst vor dem Abstieg...
