Krieg ohne Großes und Ganzes
Mein Bruder Tom» ist ein Stück, das verschiedene Perspektiven rund um diesen Bruder beschreibt, der einen der vielen Kriege, um die es gehen könnte, nicht überlebt hat. Keines der disparaten «Paare» Ellen und Gloria, Sophie und Robert, Tom und Sky, Laif und Helena scheint mit sich selbst oder dem jeweils anderen besonders viel zu tun zu haben.
Was sie im Leben hält, ist ein brüchiger Faden, etwas, an das sie sich, wie auf einer Mondlandschaft oder nach jedem denkbaren Super-GAU die Erde betrachtend, flüchtig erinnern, ohne dieser Erinnerung aber tatsächlich habhaft zu werden oder sie auf ein (Lebens-)Ziel hin beschreiben zu können. Die Autorin, Dramaturgin und Regisseurin Bettina Erasmy betrachtet diese Figuren und folgt ihnen wie hinter Glas. Leidenschaft, Trauer, Freude sind zu abstrakten Größen geworden, die einzigen Reize, die Reaktionen zeitigen, sind Attacken auf die sowieso allumfassende körperliche Versehrtheit der Figuren.
Ellen und Gloria unterziehen sich einem Kriegstauglichkeitstest, der an das erstmals 1962 durchgeführte Milgram-Experiment erinnert, welches entwickelt wurde, um die Bereitschaft durchschnittlicher Personen zu testen, autoritären Anweisungen auch dann ...
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Theater heute Jahrbuch 2007
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 151
von Susanne Winnacker
Wir warn die eishockeymannschaft auf der fontaine. jeder kannte uns. von januar bis februar war klar. wenn wir mit schneeschiebern. hatten wirn räumdienst abgezogen. wenn wir mit den dingern unser revier aufm eis absteckten. war klar wer wir warn. horden zwölfjährige maulaffenfeil um uns. und pärchen in freizeitjacken schrien ihre wänster panisch zur sau, bevor sie...
Man kann in Berlin in diesem Sommer kaum mehr zum Zahnarzt gehen, ohne von einem verzückten Dentisten auf Peter Steins «Wallenstein» angesprochen zu werden. Vielleicht liegt es nur an den berufsständischen Parallelen: Wo der eine zehn Stunden schenkelstarre Zuschaudemut verlangt, lebt der andere von jeher davon, Menschen in einen Sessel zu bitten, in dem sie...
Am Anfang war das Feuer. Die Idee. Ein Waldbrand. Was geschieht, wenn Menschen mit archaischen Zuständen konfrontiert werden? Unvermittelt. Ungeschützt. Schon in ihrem Stück «Monsun» hat Anja Hilling am Ende die Fotografin Melanie in Vietnam einem ununterbrochenen Regen ausgesetzt, der alle Reste der Zivilisation fortspült und sie damit auf sich selbst...
