Die Lindenstrasse vom Alsergrund
Das Schauspielhaus liegt in Wien-Alsergrund, also mitten in Dodererland. Der Wiener Schriftsteller Heimito von Doderer (1896–1966) hat den neunten Bezirk mit seinem Roman «Die Strudlhofstiege» (1951) in die Literaturgeschichte eingeschrieben. Und das Schauspielhaus in der Porzellangasse befindet sich mitten am Schauplatz: Melzer, der Held des Romans, wohnte ein paar Häuser weiter, und die 1910 errichtete Jugendstil-Stiegenanlage, die dem Roman seinen Titel gab, ist gleich ums Eck.
Die Idee des neuen Schauspielhausdirektors Andreas Beck, hier die «Strudlhofstiege» auf die Bühne zu bringen, lag also im wahrsten Sinn des Wortes nahe.
Doderers 900-Seiten-Wälzer ist die österreichische Version des modernen Großstadtromans. Aus den in ironischem Plauderton referierten, teilweise nur peripher miteinander verbundenen Biografien zahlreicher Figuren wird ein komplexer Erzählteppich gewoben, in dem der Autor das Porträt einer Jeunesse dorée, das psychologische Röntgenbild des Wiener Bürgertums vor und nach dem Ersten Weltkrieg entwirft. Mit vollem Titel heißt der Roman «Die Strudlhofstiege oder Melzer und die Tiefe der Jahre»; nicht weniger als der Vorgang des Lebens selbst soll darin ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Frauen sind manchmal auch nur die besseren Männer: Die Haken, welche Justine del Corte dem Geschlecht der Töchter verpasst, tragen einen sexistischen Punch in sich, den zeitgenössische Dramatiker in der Regel scheuen. Schon der Erfolg von Yasmina Rezas «Der Gott des Gemetzels» legte die Vermutung nahe, dass Mann gerne über sich selbst lacht, so lange die Frauen...
Der Abend spielt im Salon Christian Dior Anfang der fünfziger Jahre, wo der Meister, ein liebenswert überkandideltes, konfuses Dickerchen (Marc Bodnar), und sein junger Schüler Yves Saint Laurent, ein Schlacks mit blonden Schmachtlocken (Graham F. Valentine), die Annalen des Hauses aufblättern. Der Erlesenheit des Ambientes, für das Anna Viebrock mit wonnevollem...
Für die einen ist Krieg ein Job, mit dem sich ein Bruchteil des Geldes, das man nie erben wird, verdienen lässt. Für die anderen ist er ein Skandal, eine ethische Katastrophe, ein Verbrechen an der Menschlichkeit, in der Praxis ausgeübt von Leuten, die mehr oder weniger von Natur aus Dumpfbacken oder Sadisten sind. Oder, wie es der Waffenverschärfer Paul aus Simon...
