Auf verlorenen ­Posten

Kühnel/Kuttner «Eisler on the Beach», nach Aischylos/Jelinek «Die Schutzflehenden» in Berlin Deutsches Theater, Gorki-Theater

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Der freundliche Mann im Hawaiihemd, der mit hochgeschobener Sonnenbrille und Haifischzahnkette auf die von flotten US-Army-Musikern flankierte Varietébühne tritt, hebt mit säuselnder Stimme zu reden an. Ein eigentümliches Soundgemisch ergießt sich ins Publikum: einerseits Kuttners vertraut atemloses Berlinpalaver, andererseits sanft manipulativer Therapeutensprech, der in der US-Psychiatrie der 50er Jahre wurzelt: Palo-Alto-Gruppe, systemische Therapie. Von dort, behaupten Verschwörungstheoretiker gerne, führten Drähte zur CIA und noch heute nach Silicon Valley.

«Eisler on the Beach», die jüngste Inszenierung des Regieteams Tom Kühnel und Jürgen Kutt­ner in den DT Kammerspielen, nennt sich im Untertitel «Eine kommunistische Familienaufstellung». Ein hübsches, treffendes Paradox. Denn tatsächlich war der Kalte Krieg, den die jüdischen Geschwister Eisler insbesondere in den vierziger Jahren in Amerika ausfochten, wohl nicht nur ein welthistorischer, sondern auch schlicht ein innerfamiliärer: Die ältere Schwester Ruth Fischer, die in den zwanziger Jahren noch Stalin von links (!) bekämpft hatte, denunzierte ihre jüngeren Brüder, den späteren DDR-Rundfunkchef Gerhart und den ...

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Theater heute Januar 2016
Rubrik: Chronik, Seite 53
von Eva Behrendt

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