Wider die Kontrollwut
Wütend. Das ist ein Zustand, in den man oder frau gerät und sich dann darin befindet. Im Entstehen der Wut. «Da bin ich aber wütend geworden», erzählen wir und schauen so zustimmungsheischend um uns. Im Zustand des Wütend-Werdens fühlen wir uns berechtigt. Berechtigter. Der Vorgang des Wütend-Werdens erzählt uns selbst und denen, denen wir davon erzählen, davon, dass wir am Leben sind. Das wiederum beschreibt uns und denen, denen wir erst aus diesem Zustand etwas erzählen können, dass wir in Gesellschaft sind.
Das Wütend-Werden ist fast der einzige Bericht darüber, wie wir auf die Welt treffen. Auf die Welt außerhalb von uns und unserer Privatheit.
In unseren Kontrollgesellschaften erscheinen wir uns ja zuerst einmal ermächtigt. Es gibt immer die anderen, die kontrolliert werden müssen. Wir. Wir selbst. Wir fühlen uns tugendhaft und richtig. Wir begehen schließlich keine Verbrechen und schauen auf die Welt aus dem Blickwinkel der Kontrolle, wie uns das die Leitmedien der Kontrolle vormachen. Das Wütend-Werden. Das ist schließlich genau der Berichtsvorgang in der deutschen «Bild»-Zeitung und in der österreichischen «Kronen»-Zeitung, der den rationalen Journalismus ersetzt hat. Es ...
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Theater heute Jahrbuch 2011
Rubrik: Marlene Streeruwitz, Seite 20
von Marlene Streeruwitz
Amerikanische Familienstücke haben Konjunktur. Auch auf deutschen Bühnen. In Tracy Letts’ Generationenepos «August: Osage County» (2007) kämpften traumatisierte Schwestern mit ihren Ehepartnern und ihrer Übermutter. Und auch in Tony Kushners im Mai 2011 in New York uraufgeführtem Stück «The Intelligent Homosexual’s Guide to Capitalism and Socialism With a Key to...
Ein deutscher Reisebus auf dem Weg nach Schlesien. Amüsiert nehmen wir Teil an Dirk Lauckes Kaffeefahrt «heim ins reich zu den stätten unserer scheißarischen ahnen». In seinem neuestem Stück «Alles Opfer! oder Grenzenlose Heiterkeit», verfasst für die Ruhrfestspiele Recklinghausen und das Staatsschauspiel Dresden, erfreuen wir uns an fröhlichen Rentnern und...
Beschwerdebriefe, so hat es Oliver Kluck einmal erzählt, seien der Auslöser gewesen. Durch wohlformulierte, an den obersten Dienstherrn gerichtete Widersprüche, die er – strafversetzt in die Bundeswehrbibliothek – während seiner Grundausbildung verfasste, hätte er zum dramatischen Schreiben gefunden. Selbst wenn Kluck hier geschwindelt haben sollte, liegt doch eine...
