Aufstand gegen die Dummheit
Messer in Hennen» von David Harrower ist so ein Beispiel dafür, wie rasch und sanft sich bis vor kurzem noch als radikal, abgründig und umwälzend gehandelte Stücke in den Stadttheater-Spielplan einfügen.
Griffig und assoziativ genug der Titel (bei «Shoppen und Ficken» aus der gleichen Entstehungszeit beispielsweise würde der Kulturausschuss schon hellhöriger werden), neumodisch versch(r)oben und reduziert die Handlung, Schauspieler-Futter für die Kleinst-Besetzung: Da kann sich mal «die junge Garde» dran «probieren», wenn’s hochkommt ein bisschen «austoben» – das ist was für die «Kammer».
Aber, ziemlich genau zehn Jahre nach der Uraufführung (und acht Jahre nach Thomas Ostermeiers Berliner Baracken-Inszenierung) noch einmal betrachtet: Ist es wirklich viel mehr als eine nur relativ gewagte und bisweilen gehörig gedrechselte Sprach-Spielerei, ein sehr bemühter Solidarpakt mit den Underdogs, ein ziemlich abgehobener und somit gefährlich sicherer Blick in die Abgründe gesellschaftlicher Randexistenzen? So oft zum Beispiel das Wörtchen «archaisch» auftaucht im Zusammenhang mit dem Stück, so oft empfiehlt es sich heute in Deckung zu gehen, weil es in der Regel nichts weiter umschreibt ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Der Herold des Tragischen hat’s heute so schwer wie der Prophet schon immer. Keiner will ihm zuhören. Das geht so nicht mehr, murmeln die Leute, führen Sprachzweifel und Formerwägungen ins Feld oder verschanzen sich gleich ganz hinter Gelächter. Das alles muss er hinnehmen. Sage aber keiner, dass Botho Strauß seine Pappenheimer deswegen nicht kennt, verwünsche er...
Corinna Harfouch hat bereits einige der sperrigsten Frauenfiguren gespielt, die die deutsche Geschichte hergibt: Eva Braun auf der Bühne, Magda Goebbels und Vera Brühne im Film. In Dagmar Knöpfels «Durch diese Nacht sehe ich keinen einzigen Stern» spielt sie nun zur Abwechslung eine tschechische Dichterin des 19. Jahrhunderts, aber man erkennt sofort, warum Frau...
In «Lob der Blindheit», dem zentralen Text seines Buches «Rundfunk als Hörkunst», polemisierte der Film- und Radiotheoretiker Rudolf Arnheim schon 1936 gegen jenen «unausstehlichen Typ von Kunstgenießer», der ein Kunstwerk danach beurteilt, wie stark es seine «Fantasie» anrege. Man habe sich streng daran zu halten, was vom Künstler geboten werde, und keinesfalls...
