Hannover: Weltende in Armut, Alkohol und Religion
Eines der hartnäckigsten Gerüchte über Isländer lautet, dass man es hier mit einem irgendwie mythendurchtränkten Menschenschlag zu tun habe. Jede neu zu bauende Straße müsse von einem Elfenexperten abgenommen werden, heißt es, und der müsse die Naturgeister erst einmal besänftigen, damit diese das Neubauprojekt akzeptieren. Die isländische Tourismuswirtschaft lebt gut von diesen Gerüchten.
Der Fachmann für nordische Mythen im europäischen Theater ist Thorleifur Örn Arnarsson, geboren 1978 in Reykjavik, ausgebildet in Berlin, Hausregisseur unter anderem in Konstanz und Wiesbaden.
Im mythisch weitgehend neutralen Hannover zeigt er seine Bearbeitung der «Edda», des isländischen Schöpfungsmythos, der auf den ersten Blick wirkt wie eine ewige Abfolge von Gewalt, Heimtücke, Zauber und Mord. Und so beginnt der rund vierstündige Abend auch: dunkel dräuend. Wolfgang Menardis Bühne ist eingenebelt, man erkennt nur Schemen, und Seherin Völva referiert die Vorgeschichte Völuspa: «In den Urzeiten war es so, dass es nichts gab, weder Land noch Wasser (...) nur Chaos und gähnende Leere und nirgends Gewächs.» Susanna Fernandes Genebra intoniert diesen langen Text elektrisch verstärkt, expressiv, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Mai 2018
Rubrik: Chronik, Seite 59
von Falk Schreiber
Sexualkunde für Erwachsene gibt es im Theater oft. Ungesunde Beziehungen finden sich in der Dramenliteratur zuhauf. Nun hat der Londoner Autor Evan Placey, Spezialist für Jugendtheater, ein Drama über Sexualkundeunterricht geschrieben, ein metadidaktisches Drama. Also eigentlich kein Drama für Jugendliche, sondern über sie. «Gesunde Beziehungen» («Consensual»)...
Es entbehrt nicht der Ironie, dass Frank Castorfs Nachfolger Chris Dercon und seine Programmdirektorin Marietta Piekenbrock nach nur sieben Monaten an so etwas Banalem wie miesem Management gescheitert sind. Zweieinhalb Jahre lang hat sich schließlich die Berliner Theater- und Kunstszene die Köpfe bis zum Rauchaufstieg heißdiskutiert über der Frage, ob Castorf...
Dem englischen Kritiker Quentin Letts sind Kontroversen nicht fremd. Für die meisten Insel-Schauspieler ist eine schlechte Kritik dieses bösen kleinen Manns ein Ritterschlag. Die «Times» schrieb, seine regelmäßigen Angriffe seien «hysterisch und würden die Verleumdungsgesetze bis an ihre Grenzen ausreizen». Doch seine aktuelle «Daily Mail»-Kritik der Royal...
