Evidenz in großen Dosen
Wenn man betrachtet, woraus totalitäre Systeme ihre Kraft bezogen haben, dann war das zuallererst die Zerstörung von bestehenden Sozialbeziehungen.» Diese Sentenz aus Harald Welzers Oppositionsratgeber «Selbst denken – Eine Anleitung zum Widerstand» flimmert zum Auftakt von Tilmann Köhlers Horváth-Adaption «Jugend ohne Gott» in den DT-Kammerspielen über die vierte Wand. Horváths 1937 erschienener Roman schildert anhand eines Mordfalls in einem vormilitärischen Ausbildungslager, wie ethische Werte in pubertierenden Jungsköpfen von faschistischen Ideologemen verdrängt werden.
«Es könnte sein», warnt Welzer auf der Bühnenwand weiter, «dass der heutige Totalitarismus ausgerechnet im Gewand der Freiheit auftritt: in jedem Augenblick alles haben und sein zu können, was man haben und sein zu wollen glaubt.»
Einfache Antworten, bitte!
Steile These – deren analytische Abklopfung bei Köhler nach dem Intro allerdings nicht beginnt, sondern erstaunlicherweise bereits beendet ist. Dafür, ob – und wenn ja, in welchen strukturellen Details genau – die Unterordnung unter diktatorische Systeme tatsächlich mit der freiwilligen Anpassung an ein «hochmodernes Gehäuse der Hörigkeit» vergleichbar wäre, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Februar 2014
Rubrik: Aufführungen, Seite 10
von Christine Wahl
Diese auch im Umfang weit ausholende Studie begibt sich in die osteuropäische Theaterwelt der siebziger und achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts. Moskau und Leningrad, Budapest und Warschau, Prag und Sofia, das sind die Theaterhauptstädte jener 1989/90 endenden Epoche, in der die meisten Theater als Staatsbetriebe geführt und versorgt wurden, dafür aber – je...
Aachen, Grenzlandtheater
4. Delaporte/de La Patelliére, Der Vorname
R. Wolfgang Hagemann
Aalen, Theater der Stadt
22. Heløe, Man ist auch der, der man werden kann
R. Winfried Tobias
Altenburg/Gera, TPT
7. Heine, Deutschland. Ein Wintermärchen
R. Bernhard Stengele
Annaberg, Eduard-von-Winterstein-Theater
6. Müller/Misiorny, Zwei wie Bonnie und Clyde
R. Christine Zart
16. Hild,...
Natürlich ist es eine gute Idee, die klügsten Leute von Zürich ans Theater zu binden und sie mit einer guten Flasche Wein auf die Bühne zu setzen und reden zu lassen. Den Psychoanalytiker Peter Schneider etwa, als radikaler Kolumnist im Radio und in allerlei Schweizer Zeitungen zuhause und ein gewitzter Causeur sondergleichen. Dieser Peter Schneider sitzt jetzt...
