Der Rest ist Spielbank
Was vom Abend übrig bleibt, ist ein Jeton. Zumindest, wenn man ihn nicht in der Pause verspielt hat. Die Pause nämlich dient nicht nur der allgemeinen Blasenentleerung, sondern
bedient den kollektiven Spieltrieb. Es gibt Sekt, Casinotische und ein Szenario, das die eigentliche Aufführung vorher und nachher ziemlich in den Schatten stellt.
Erst zögerlich, dann wie ausgehungert stürzen sich die Menschen, eben noch Zuschauer, jetzt Akteure, auf die Croupiers und ihre mit grünem Velours bespannten Tische, verjubeln ihr Spielgeld beim Black Jack, drängen sich, zunehmend aggressiver, beim Roulette. Es wird gezockt, was die Bank hergibt, und spätestens beim dritten Sekt hat jeder vergessen, dass er hier eigentlich im Theater ist.
Schließlich wird Elfriede Jelineks «Die Kontrakte des Kaufmanns» in der ehemaligen Diamantenbörse gegeben, einem seit langem leerstehenden hässlichen Hochhaus in der Frankfurter Innenstadt. Hier ist Jelineks prophetisches Werk, das knapp vor der Finanzkrise entstanden und von Geldgierskandalen inspiriert ist, am richtigen Ort. In den 70er Jahren war die Diamantenbörse ein Symbol der Kapitalvernichtung: Die Erbauer und Gründer, ein schillernd-zwielichtiges Duo ...
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Theater heute April 2011
Rubrik: Chronik, Seite 50
von Paula van Bergen
Ungefähr 15.000 Zeichen soll dieser Text lang werden. Nicht gerade wenig für das Porträt eines Nachwuchsdramatikers, naturgemäß aber viel zu wenig, um die ganze, komplexe Welt zu fassen zu kriegen. Und auch viel zu wenig für Wolfram Lotz. Denn wenn es nach und um Lotz geht, müsste man eigentlich Indianisch sprechen oder eine andere Sprache, die keiner versteht. So...
Zwei unterschiedlichere Stoffe und Herangehensweisen sind kaum vorstellbar. Hier die Geschichte der Sibel Kekilli, die mit «Gegen die Wand» zur Schauspielerin und in Fatih Akins Kino der großen Gefühle zu einer Ikone für alle Deutsch-Türkinnen wurde, für die ein Aus-
brechen aus dem familiären Feld der Ehre bittere Folgen haben kann. Und dort Nis-Momme Stockmanns...
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