Privilegien zum Abschuss
Die Schweizer Kabarettistin Hazel Brugger hat einmal bei einem Auftritt in Paderborn unter dem Titel «Männer haben mehr Humor als Frauen» eine wissenschaftliche Studie zitiert, derzufolge 95 Prozent der befragten Männer und Frauen Humor für die wichtigste Eigenschaft in einer Partnerschaft halten. Wobei beide Geschlechter – und das ist das eigentlich interessante Ergebnis dieser «Studie» – angeblich unter Humor etwas Unterschiedliches verstehen: Frauen wünschten sich nämlich Männer, die sie zum Lachen bringen. Und Männer wünschten sich Frauen, die über ihre Witze lachen.
– «Kleiner Icebreaker», würde ich jetzt noch hinzufügen, wenn ich eine Figur von Nora Abdel-Maksoud wäre – und das wäre umso lustiger, wenn sie gerade nicht gelacht hätten.
Nora Abdel-Maksoud gehört zu den Künstlerinnen, die Hazel Bruggers (natürlich ohnehin ironisch lancierte) Behauptung von der männlichen Überlegenheit in Sachen Witz gründlich widerlegen, und die wissen, dass mit dem Talent zum Humor Verantwortung einhergeht. Als gebürtige Münchnerin mit Schauspieldiplom von der Potsdamer Hochschule für Film und Fernsehen Konrad Wolf war sie zuerst an Shermin Langhoffs Berliner Ballhaus Naunynstraße in der ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute August/September 2019
Rubrik: Das Stück, Seite 52
von Eva Behrendt
Ich habe jetzt drei junge, unterdrückte, handlungsunfähige Frauen in einer Spielzeit gespielt, role models sind das nicht gerade.» Cennet Rüya Voß lacht. In Düsseldorf hat der Klassiker-Kanon mit voller Wucht zugeschlagen. Mit der 27-jährigen, 1,56 Meter großen Schauspielerin hat er allerdings eine Sparringspartnerin erwischt, die weiß, wie sie Contra gibt. Wer Voß...
Natürlich sind die Themen, die das Theater seit geraumer Zeit neben seinem künstlerischen und literarischen Auftrag so heftig umtreiben und aufreiben, auch längst beim und im Bühnenverein angekommen. Auf den geduldigen Papieren, die am Ende der letzten Jahrestagung in Nürnberg verteilt wurden, wimmelte es denn auch nur so von ehrlichen Absichtserklärungen, mutigen...
Fast jedes «man» in diesem Text könnte wahrscheinlich ein «Mann» sein. Denn auch wenn hier eine Frau schreibt, ist diese Theaterwelt immer noch eine oft sehr männliche Welt – und nicht nur die. Dessen sind sich Stefan Pucher und die Volksbühne sehr bewusst, wie schon an Ankündigung und Programmheft für die Inszenierung von Wedekinds «Lulu» zu erkennen ist....
